Der Schakal will unbedingt gewinnen. Ein witziges Bilderbuch über Ehrgeiz und Anerkennung.
Mit "Ein Pokal für den Schakal" greift Jule Wellerdiek ein Thema auf, das Kindern wie Erwachsenen gleichermaßen vertraut ist: den Wunsch nach Anerkennung und die Schwierigkeit, Niederlagen zu akzeptieren. Die Geschichte erzählt mit viel Humor von Wettbewerb, Eitelkeit und dem Bedürfnis, etwas Besonderes zu sein, ohne dabei belehrend zu wirken.Bereits die illustrierten Vorsatzseiten leisten einen wichtigen Beitrag zum Erzählen. Sie rahmen die Handlung ein, erleichtern den Einstieg in die Geschichte und bieten zahlreiche Gesprächsanlässe. Die eigentliche Handlung beginnt mit einem Wettbewerb in der Stadt, bei dem die schönste Frisur ausgezeichnet werden soll. Der Schakal ist überzeugt von seinen Chancen und gibt sich große Mühe. Umso größer ist seine Enttäuschung, als die begehrte Auszeichnung an die Gans geht.Anstatt die Niederlage zu akzeptieren, entwickelt der Schakal eine kreative Lösung: Er verleiht sich kurzerhand einen eigenen Preis für den "besten Schakal". Die Idee bleibt jedoch nicht ohne Folgen. Nach und nach beginnen auch die anderen Tiere, Wettbewerbe zu erfinden, bei denen sie selbst als Sieger hervorgehen können. Bald wimmelt die Stadt von ausgezeichneten Tieren und Pokalen aller Art. Ausgerechnet diese Entwicklung gefällt dem Schakal wiederum überhaupt nicht, was zu einer ebenso komischen wie konsequenten Zuspitzung der Handlung führt.Die Geschichte lebt von ihrem pointierten Humor und der gelungenen Charakterzeichnung. Besonders die Mimik des Schakals trägt wesentlich zur Komik bei. Seine wechselnden Gefühle zwischen Stolz, Frustration, Empörung und neuerlicher Selbstüberschätzung werden in den Illustrationen eindrucksvoll sichtbar. Die farbigen Bilder wirken dynamisch und lebendig und unterstützen die Erzählung weit über den eigentlichen Text hinaus.Auch die Gestaltung sorgt für Abwechslung. Großformatige Doppelseiten wechseln sich mit kleineren Bildfolgen ab, wodurch ein abwechslungsreicher Lesefluss entsteht. Die Illustrationen laden zum wiederholten Betrachten ein und eröffnen immer wieder neue Details.Thematisch eröffnet das Bilderbuch zahlreiche Gesprächsmöglichkeiten über Wettbewerb, Fairness, Anerkennung und den Umgang mit Erfolg und Misserfolg. Bemerkenswert ist dabei, dass die Geschichte keine einfachen Antworten liefert. Stattdessen setzt sie auf Situationskomik und Übertreibung, wodurch die zugrunde liegenden Mechanismen für Kinder nachvollziehbar werden.Insgesamt überzeugt "Ein Pokal für den Schakal" als humorvolles und zugleich kluges Bilderbuch, das mit einer originellen Idee, ausdrucksstarken Illustrationen und einer sympathisch-unperfekten Hauptfigur unterhält. Die Geschichte regt zum Nachdenken an, ohne ihren spielerischen Charakter zu verlieren, und bietet auch bei wiederholter Betrachtung zahlreiche Entdeckungsmöglichkeiten.