Woran erkennt man einen wahren Klassiker? Zum Beispiel daran, dass ein Buch von mehreren Generationen geliebt und gelesen wird, dass es auch 90 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch hochaktuell wirkt oder an der besonderen Geschichte, auf die es zurückblickt.
All das trifft auf den Klassiker Ferdinand der Stier von Munro Leaf (19051976) zu. Die Geschichte des friedliebenden Ferdinands, der sich lieber am Duft der Blumen erfreut, als sich mit den anderen Stieren im Kampf zu messen, fasziniert seit knapp einem Jahrhundert. Sie lädt zu Gesprächen über Männlichkeit, gesellschaftliche Erwartungen, Frieden und den großen Wert ein, sich selbst treu zu bleiben.
All das ist in eine lustige und wendungsreiche Geschichte verpackt, die von ausdrucksstarken Illustrationen begleitet wird. In der Ausgabe des Diogenes Verlags dürfen wir uns über die in Schwarz gehaltenen Originalillustrationen von Robert Lawson freuen.
Mit dem Buch verbinde ich schöne Kindheitserinnerungen. Als Wahl-Berlinerin begeistert mich zudem, dass keine Geringere als die spätere Gründerin der Internationalen Jugendbibliothek, Jella Lepman, 1946 Tausende Exemplare von Ferdinand der Stier im kriegszerstörten Berlin an Kinder verteilte.
Im Dezember dieses Jahres jährt sich der 50. Todestag von Munro Leaf. Eine schöne Gelegenheit, diesen zeitlosen Klassiker wieder in die Hand zu nehmen und die Geschichte des friedlichen Stiers an eine neue Generation weiterzugeben.