Kurzweilig, überraschend und vor schwarzem Humor triefend
Inhalt:Anjas Mutter hat nach jahrelangem Hin und Her endlich einen Termin bekommen, um ihr Leben mit der Hilfe einer bekannten Sterbehilfeorganisation zu beenden. Dies teilt sie Anja in einem Nebensatz mit und erwartet im gleichen Atemzug, dass Anja, mit der sie eigentlich überhaupt kein enges Verhältnis verbindet, ihr auf ihrem letzten Weg auf Schritt und Tritt zur Seite steht.Anja wird dabei in unmöglich absurde Situationen gebracht, die gleichzeitig zum Schreien komisch und abgrundtief traurig sind.Meine Meinung:Im Mai durfte ich mit einer Bücherfreundin die Solothurner Literaturtage besuchen. Dort haben wir ein grandioses Podiumsgespräch zum Thema "Familie erzählen" besucht und bin dabei unter anderem auf Katja Frühs ersten Roman aufmerksam geworden. Im Herbst haben wir dann endlich entschieden, "Vielleicht ist die Liebe so" gemeinsam zu lesen und wir hatten spannende und unterhaltsame Lesestunden und Diskussionen mit dem Buch.Mir hat der Roman sehr gut gefallen, weil er mich mit seinem schwarzen Humor für sich eingenommen hat. Die Handlung ist nicht nur sehr skurril und vor allem aussergewöhnlich konstruiert, es schwingen auch stets ernste Untertöne rund um die Themen Selbstbestimmung, Familienbande, historische Verstrickungen und Verantwortung mit.Schreibstil und Aufbau:Katja Früh weiss genau, was sie macht und spielt gekonnt mit den unterschiedlichsten Themen, um sich dann sofort wieder ihrer grotesken Grundidee zu widmen. Sie schafft es aber, gleichzeitig eine verstrickte Liebesgeschichte, das tragische Schicksal der jüdischen Grossmutter ihrer Protagonistin und die aussergewöhnliche Geschichte des Hundes Anton in ihrer Geschichte unterzubringen.Die ernsteren Themen werden zwar nur eher oberflächlich gestreift und einige Kniffe und Entwicklungen wirken auch ein wenig simpel konstruiert, aber auch wenn das Buch nicht lange nachhallen wird, hat es mich sehr gut unterhalten und mich auch immer wieder überrascht.Meine Empfehlung:"Vielleicht ist die Liebe so" ist ein Spiel mit den Grenzen des guten Geschmacks, das Katja Früh hervorragend meistert. Die bekannte Drehbuchautorin hat ein Buch geschrieben, das richtiggehend danach schreit, auf die Bühne oder ins Kino gebracht zu werden und wer auf der Suche nach kurzweiliger Unterhaltung, schwarzem Humor und überraschenden Entwicklungen ist, ist mit diesem Roman hervorragend beraten.