Lord Kazimir Blackrose, vielen auch bekannt als Dark Lord, steht kurz vor der Weltherrschaft. Einzig die Magie des Allmacht-Artefakts fehlt ihm noch. Dumm nur, dass dieses seine Kraft erst rausrückt, wenn er mit einem Nachfahren (m/w/d) des Ersten Helden eine eheliche Verbindung eingeht. Doch woher so einen Nachfahren nehmen, wenn nicht stehlen? Moment, stehlen? STEHLEN!
Das Universum hat einen grausamen Sinn für Humor. (...) Das Potential apokalyptischer Macht... fein säuberlich verknüpft mit der größten Schwachstelle, die ich seit Jahren gehabt habe. (Zitat S. 52)
Nach intensivem Brainstorming entscheidet Kazimir sich, Lady Arabella Evenfall zu entführen, die gerade mit der Kutsche in die Sommerresidenz unterwegs ist. Gesagt, getan, auch wenn Arabella ihm ordentlich Contra bietet. Dass Kaz ihr dabei zugleich den Gefallen getan hat, sie aus den Fängen ihres Vaters zu befreien, der sie wie eine Trophäe weggesperrt hat, ahnt er nicht. Arabella hingegen sieht schnell ihre Chancen, die sich ihr in der Schwebenden Festung des Dunklen Lords bieten, und handelt einige Bedingungen zu ihren Gunsten aus, bevor sie die offizielle Dark Lady wird. Win-Win für beide. Anfassen ist natürlich verboten! Vorerst...
Ich habe schon zuvor Menschen verführt. - Ja. Um an Geheimnisse zu kommen oder sie abzulenken, bevor du ihnen die Kehle durchschneidest. (Zitat S. 148)
Das war meine erste Dark Fantasy, die in der RomCom-Variante überraschend amüsant an den Start ging. Jedenfalls hab ich gleich zu Beginn so einige Male vor mich hin schmunzeln müssen. Mit Arabella wird Kaz im Roman eine Gegnerin auf Augenhöhe präsentiert, die sich nichts gefallen lässt und somit dem passiven Blödchen- oder Mistress-in-Distress-Klischee die kalte Schulter zeigt. Regelrecht gefeiert habe ich, wie sie immer mehr Gefallen an den magischen Kräften findet, welche sich ihr in ihrer neugewonnenen Fast-Freiheit bieten.
Der Dark Lord ist übrigens in erster Linie nach außen hin düster und gnadenlos, man(n) muss schließlich an seinem Image arbeiten. Im Kreise seiner engsten Vertrauten ist er eher der strenge, aber (im Rahmen seiner Möglichkeiten) faire Chef. Bella gegenüber maximal provokant frech, ohne übergriffig zu werden.
Mit der Zeit kommen zur Handlung ein paar politische Intrigen dazu und das Artefakt zickt auch ein wenig rum. Und was wäre Fantasy ohne Drachen? Genau, unvollständig.
Einzig ermüdend waren die x Wiederholungen irgendwelcher Trainingsstunden für Bella, die haben mir für die Handlung gar nichts gebracht ausser ein paar wiederholter Flirtereien zwischen Kaz und Bella. Was jetzt nicht sooo spannend war, da sie ihre expliziten Szenen im Buch längst hatten. Die waren wiederum recht abwechslungsreich, wenn auch etwas platzeinnehmend. Ebenso hätte ich das Klischee nicht gebraucht, dass man(n) direkt nach einem erschöpfenden Endkampf doch noch genügend Energie für eine Runde Rambazamba direkt vor Ort hat (ist wohl so ein Dark Lord/Lady Ding).
Mit deutlich weniger Trainingseinheiten und etwas weniger Rambazamba hätte die Handlung die Straffheit eines Knackpos gehabt und mich vollends überzeugen können, so hing mir die Spannung in der zweiten Hälfte wiederholt einige Male zu sehr durch.
Dies ist der erste Band einer Trilogie. Ich werde auf jeden Fall weiterlesen, denn ich glaube, da braut sich noch irgendwas Böses zusammen, was es zu bekämpfen gilt. Warten wir es ab.