WOW! Ein tolles Buch, das ein vernachlässigtes Thema gut aufgreift und super sprachlich umsetzt.
Hundertsiebenundachtzig Tage von Ludovic Lecomte ist ein kurzes, aber sehr eindringliches Buch über Angst, Rückzug und den schweren Weg zurück in die Welt. Im Mittelpunkt steht ein 16-jähriger Ich-Erzähler, der seit Monaten das Haus nicht mehr verlassen kann. Was für andere wie ein kleiner Schritt wirkt, etwa die Hand an die Türklinke legen, die Tür öffnen, nach draußen gehen, wird für ihn zu einer riesigen Hürde.Mich hat das Buch besonders berührt, auch weil ich selbst mit einer Angststörung zu kämpfen habe. Gerade deshalb konnte ich viele Gedanken und Gefühle des Erzählers sehr gut nachvollziehen. Das Buch zeigt sehr gut, dass Angst nicht immer logisch erklärbar ist und dass man sich eben nicht einfach "zusammenreißen" kann. Für Außenstehende wirken manche Situationen vielleicht klein oder alltäglich, für Betroffene können sie sich aber überwältigend anfühlen.Der Schreibstil ist direkt und teilweise fast atemlos. Dadurch fühlt man sich sehr nah an den Gedanken und Empfindungen des Erzählers. Das Buch ist schnell gelesen, bleibt aber deutlich länger im Kopf. Besonders stark fand ich, dass nicht nur die Angst selbst gezeigt wird, sondern auch das Umfeld: Eltern, Freunde, Therapie, Erwartungen und die Frage, wie man wieder einen ersten Schritt schafft.Für mich ist Hundertsiebenundachtzig Tage ein sensibles, wichtiges und sehr zugängliches Jugendbuch über psychische Belastung, Scham, Hilflosigkeit und Hoffnung.Eine klare Empfehlung für alle, die Bücher mögen, die schwierige Themen einfühlsam und verständlich erzählen.