Hat alles, was ich liebe: Wüste, Religion, Action.
"Das Jesus-Video" vereint zwei Subgenres, die ich unglaublich interessant finde: Religions-Thriller und Archäologie-Thriller. Nicht nur war das Setting in der israelischen Wüste fantastisch, auch die Protagonisten lernte ich sofort lieben. Ob der Trupp aus Stephen und Judith, später mit Yehoshuah, dem Bruder Letzterer, oder der Science-Fiction-Schriftsteller Peter Eisenhardt - selbst die Antagonisten John Kaun und seinen Handlanger Ryan fand ich gut gezeichnet.Die Zeitreise-Theorie wurde recht früh aufgestellt und sogar als bestätigt angenommen, deren Hintergründe wurden indessen nicht besprochen, was mir als Leser, der mit harter Science-Fiction wenig anfangen kann, gelegen kam. Die stattdessen geschilderte Jagd nach der Kamera inklusive potenzieller Jesus-Aufnahme sagte mir umso mehr zu. Ich fieberte regelrecht mit, als Stephen und Judith einen Brief des Zeitreisenden, den Ersterer zusammen mit der Kamera bei dessen Körper gefunden, jedoch unterschlagen hatte, von Yehoshuah lesbar machen ließen und dem Ablageort so näherkamen.Immer wieder wurde die Perspektive ihrer Gegner eingestreut, wobei virtuos darauf geachtet wurde, dass man Ryans Vorgehen nicht zu früh antizipieren konnte. Dies löste bei mir Hochspannung aus.Bisweilen waren die Protagonisten ein wenig leichtfertig, zum Beispiel substituierten sie ihren blauen Fiat mit Peilsender durch einen anderen Wagen der gleichen Autovermietung. Mir war sofort klar, dass Ryan mit seinem Einfluss das entsprechende Kennzeichen erfahren würde.Das Finale bot noch einmal alles auf, was man sich von einem solchen Roman wünscht, ehe ein längerer Epilog in zwei Zeitschritten folgte. (SPOILER) Das famose Jesus-Video stellte sich als weniger brisant heraus als erhofft, gelangte nicht an die Öffentlichkeit, sondern wurde in einer Untergrundbewegung weitergereicht, wobei manche durch das Ansehen im Geiste vollkommen verändert - "erleuchtet" - wurden. (SPOILER ENDE) Somit war der Epilog einerseits unbefriedigend, andererseits versäumte es Andreas Eschbach nicht, das weitere Leben jedes einzelnen Charakters zu erzählen, was ich sehr toll fand.Und am wichtigsten: Es gibt eine Fortsetzung sowie einen dreistündigen Blockbuster-Film von ProSieben!Fazit: "Das Jesus-Video" ist ein hochspannender Wüstenthriller mit religiösem Bezug. Keine einzige seiner fast siebenhundert Seiten war langatmig, und insbesondere das Setting gefiel mir unglaublich gut.