Eine sehr berührende Geschichte, stellvertretend für norwegische Frauen
Inhalt:Oda und Lisbet leben während des Zweiten Weltkrieges in Norwegen. In ihrem beschaulichem Dorf reisen die Deutschen an. Für die jungen Frauen beginnt eine tragische Liebesgeschichte, denn beide verlieren ihre Herzen an deutsche Soldaten. Das war zur damaligen Zeit eine Schande, als "Deutschenmädchen" wurden sie verhöhnt und geächtet. Die Vereinigung namens "Lebensborn" hat den "gefallenen Mädchen" damals geholfen. Aber alles hatte seinen Preis...Heute in Wiesbaden freundet sich die junge Pflegerin Marie mit der Bewohnerin Betty an. Man merkt gleich, dass sich Betty sehr mit ihrer Vergangenheit beschäftig und in Marie eine gute Gesprächspartnerin gefunden hat. Marie selbst sieht ihr freiwilliges soziales Jahr als weitere Station in ihrem Leben an. Das Altersheim hat sie aufgrund eines Fotos ausgewählt, welches in den Unterlagen ihrer verstorbenen Mutter lag. Als Vollwaise gebeutelt von Jahren in der Obhut des Jugendamtes oder Pflegefamilien, möchte Marie endlich ein Ziel haben, doch es gelingt ihr nicht. Dass das Altersheim früher eine Einrichtung des "Lebensborn-Vereins" war, stellt eine Verbindung zur Geschichte von Oda und Lisbet dar. Meine Einschätzung:Die Zeit des Zweiten Weltkrieges kann wohl noch unzählige Bücher hervorbringen. Sehr interessant finde ich inzwischen die Blicke auf und aus anderen Ländern, die damals zu leiden hatten. Norwegen hatte ich bisher noch nicht oft in den Romanen und der Lebensborn war mir völlig fremd bisher. Von daher habe ich nun eine völlig neue Perspektive auf diese Zeit. Wenn es auch fiktiv ist, so wird es einigen tatsächlich so oder so ähnlich ergangen sein wie Oda und Lisbet, was mich immer wieder aufs Neue erschüttert und berührt.Sehr gut gefallen haben mir die Zeitsprünge. Auch der Einstieg ins Buch, der ja erst einmal an späterer Stelle der Vergangenheit stattfindet. Welche Verbindung zwischen dem Hier und Damals besteht, war zwar etwas weit hergeholt bzw. ein ziemlicher Zufall, wenn man auch die Fährte erklärt hat. Aber dass man die Story dadurch abrundet und die Personen verbindet, ist der Autorin gut gelungen.Schockierend finde ich, wie sehr man trotzdem noch die Vergangenheit unter Verschluss hält. Oftmals kamen Entschuldigungen viel zu spät und manche haben nie Antworten bekommen. Diese menschlichen Abgründe werde ich nie verstehen. Gut, dass es aber einige gab, die nicht schwiegen und die helfen konnten und wollten. Die Geschichte hat mich sehr berührt. Ich konnte das Buch kaum weglegen. Hat mir sehr gut gefallen!