Nachdem ein Architekt an einem märkischen See ein Grundstück von einem Bauern erworben hat, lässt er dort ein Haus errichten. An diesem Haus wird ein Jahrhundert vorbeiziehen: unruhige Zeiten, Zeiten des Umbruchs, von der Weimarer Republik, dem Dritten Reich und dem Krieg über die DDR bis hin zur Wende und darüber hinaus. Dieser Ort wird in sich die Geschichten und Schicksale seiner Bewohner bewahren. Manche davon sind vom Glück beseelt, andere gleichen einer Tragödie ¿Jenny Erpenbecks Roman ¿Heimsuchung¿ umspannt auf faszinierende und eindrückliche Art ein ganzes Jahrhundert deutscher Geschichte ¿ und das auf gerade einmal 188 Seiten. Dank der fragmentarischen Erzählweise wirken die Kapitel wie kleine Ausschnitte aus fünfzehn verschiedenen Lebensläufen, fast wie lose miteinander verbundene Erinnerungsfragmente. Alltägliche, fast schon idyllische und mitunter belanglos wirkende Szenerien wechseln sich mit Szenen ab, die von Sorgen, Angst und Trauer geprägt sind. Das Haus wirkt dabei wie der stille Protagonist der Geschichte, wie ein unscheinbarer Beobachter, der den stetigen Wandel der Welt im Blick hat.Es ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss. Leider ist es mir nicht vollumfänglich gelungen. Es gab Kapitel, die mich sehr begeistert und schockiert haben, weil sie auf subtile, nüchterne Weise von den Schrecken vergangener Zeiten erzählten. Bei anderen wiederum bin ich mir nicht sicher, ob ich begriffen habe, was die Autorin darin mitteilen wollte. Hinzu kommt, dass ich die eingeflochtenen, sich häufig wiederholenden Beschreibungen des Hauses, der Landschaft oder der Beziehungen der Figuren untereinander als etwas ermüdend empfand.Deshalb konnte mich der Roman nur in Teilen überzeugen. Aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass es gut war, ihn gelesen zu haben.