Hab da zu viel erwartet
Ich bin mit ziemlich hohen Erwartungen in dieses Buch gestartet: eine grausam zugerichtete Leiche, ein verschwundener Geschäftsmann und ein alter, ungelöster Fall - das klang nach genau der Art Psychothriller, der mich normalerweise sofort packt. Und tatsächlich hat die Geschichte anfangs etwas Versprechendes, eine leise, fast schleichende Spannung, die vor allem durch den Schreibstil entsteht.Doch je weiter ich gelesen habe, desto deutlicher wurde: Der Fokus liegt weniger auf dem Fall und viel mehr auf den drei Hauptfiguren. Hanne, Peter und Emma werden so ausführlich gezeichnet, dass man fast das Gefühl hat, ihnen beim Denken zuzusehen. Das ist einerseits interessant, weil man wirklich tief in ihre Leben eintaucht - andererseits nimmt es dem Thriller viel Tempo. Manche Passagen fühlten sich für mich eher wie Umwege an, die den eigentlichen Plot ausbremsen.Die Auflösung konnte mich dann auch nicht mehr richtig überraschen, weil ich schon recht früh eine Ahnung hatte, wohin das Ganze führt. Erst gegen Ende kommt noch einmal etwas Schwung auf, aber da war für mich schon viel Spannung verpufft.Was ich der Autorin lassen muss: Die Figuren wirken glaubwürdig, manchmal schmerzhaft echt. Nur sympathisch wurde mir leider keiner so richtig - vielleicht, weil ihre privaten Probleme so viel Raum einnehmen, dass der Fall dahinter fast verblasst.FazitEin Buch, das viel Atmosphäre und starke Charaktere bietet, aber sich in Details verliert und dadurch an Spannung einbüßt. Kein schlechtes Leseerlebnis, aber eben auch keines, das lange nachhallt. Für mich ein "okay", aber kein "wow".