Hat noch ein bisschen Luft nach oben
Nachdem ich zuerst den vierten Teil gelesen habe, aus dem zwar einiges, aber nicht alles aus der Vergangenheit von Commissaria Giulia Ferrari enthüllt wird, hat mich der Beginn der Reihe interessiert, den Alexander Oetker unter dem Pseudonym Pietro Bellini verfasst hat. Commissaria Giulia Ferrari, Sonderermittlerin im Innenministerium und nur dem Innenminister verantwortlich, wird nach Florenz abkommandiert, um einen kuriosen Mordfall zu lösen. Zwei Carabinieri haben auf ihrem Streifengang auf der Ponte Vecchio einen männlichen Toten gefunden. Während die Carabiniera Hilfe holt, wird ihr Kollege niedergeschlagen und der Tote ist verschwunden. Mit allen Vollmachten ausgestattet stellt sich Ferrari ihr Team zusammen: Ein blindes Recherchegenie und einen ehemaligen Commissario, der sich geschworen hat, die Questura nie wieder zu betreten. Warum? Das müsst ihr selbst lesen. Als man den Namen des Toten herausfindet, gibt es eine weitere Überraschung: Es scheint, als hätte man es mit jemandem zu tun, der vor zwölf Jahren eine neue Identität erhalten hat. Mein erster Gedanke ist natürlich, dass es sich hier um einen Kronzeugen in einem Mafia-Prozess handeln muss, weshalb ich über die Auflösung sehr überrascht. Meine Meinung: Hinter dem Namen Pietro Bellini versteckt sich niemand geringerer als Alexander Oetker, der schon zahlreiche Krimi-Reihen geschrieben hat. Wenn ein Autor wie Alexander Oetker unter mehreren Pseudonymen (Pietro Bellini, Yanis Kostas etc.) schreibt, frage ich mich immer, wie das gelingt. Eine multiple Persönlichkeit im Sinne der Medizin ist er wohl nicht. Und dass er eine Art Blaupause eines Krimis, bei dem er nur Orte und Namen ändern muss, hat, glaube ich auch nicht. Dieser Reihenauftakt ist eine nette Urlaubslektüre, da sich das Buch flott und leicht liest. Ich habe gerade einmal einen halben Nachmittag dafür benötigt. Der Autor bedient sich zahlreicher Italien-Klischees, die auch im Inneren des Landes kursieren. So hält Enzo, ein gebürtiger Südtiroler, die Verwaltung in den anderen Landesteilen für wenig effizient. Die Konstellation Carabinieri, die dem Verteidigungsministerium unterstehen und als Soldaten gelten, stehen den Mitarbeitern der Polizia di Stato, die dem Innenministerium angehören, in fast jedem Italien-Krimi zumindest reserviert, wenn nicht gar feindselig gegenüber. Das ist inzwischen genauso ausgelutscht, sowie ein dümmlicher, dafür arroganter Questore oder Vize-Questore bei der Polizei. Allerdings, so wird uns glaubhaft vermittelt, sind diese hochrangigen Posten mit Parteigünstlingen besetzt. Die Briefe Giulias an ihre Schwester machen neugierig. Die als Dialog dargestellten Gespräche zwischen Carla Battista und ihren Mann Luigi nerven ein wenig. Auf die in diesem Dialog abgedruckten Rezepte kann ich auch verzichten. Die hätte ich lieber im Anhang oder direkt in die Handlung eingebaut. Nun ja, vielleicht ist das ein Experiment? Geschickt nährt Alexander Oetker die Neugierde auf weitere Enthüllungen um Commissaria Giulia Ferrari. Fazit: Ein netter Krimi, der sich sehr gut als Urlaubslektüre an Strand oder im Garten eignet. Leider nicht so gut wie jene rund um Luc Verlain. Daher gibt es nur 3 Sterne.