Cornelia Funke enttäuscht einfach nicht
Venedig ist schon eine faszinierende Stadt. Als ihre Mutter Prosper und Bon von den verzweigten Kanälen und steinernen Löwen mit Flügeln erzählt hatte, waren auch sie von Faszination erfüllt . Nachdem ihre Eltern verstorben waren und ihre vornehme Tante Esther nur Bo zu sich holen wollte, blieb ihn nichts anderes übrig als wegzulaufen und das Ziel war klar: Venedig.Doch war Venedig zu Beginn nicht die magische Stadt, von der in den Geschichten ihrer Mutter die Rede war. Mutterseelenallein zog Bo sich in den Maßen Gassen Venidgs eine schwere Erkältung zu, die Prosper und Bo fast zum umkehren zwang, bis Wespe sie fand. Wespe war nicht allein. Zu ihr gehören auch Riccio und Mosca. Sie alle schlugen sich ohne Eltern durch. Wespe nahm Prosper und Bo mit in ihr "Sternenversteck", einem verlassenen Kino. Sofort war klar, dass Prosper und Bo nun zur Gruppe dazu gehörten. Doch gab es eine weiteren Person, die hier nicht unerwähnt bleiben darf: der Anführer der Gruppe Scipio oder wie er sich selbst nennt "der Herr der Diebe". Er sorgt für seine Freunde, doch als er eines Tages einen geheimnisvollen Auftrag Annahme und Tante Esther plötzlich anfing in Venedig nach Bo zu suchen, wird die Gruppe vor vielen Herausforderung und Gefahren gestellt.Der Roman von Cornelia Funke hat mir sehr gut gefallen. Obwohl es eigentlich ein Kinderbuch ist, kann man es sehr gut auch noch später lesen. Cornelia Funke schafft tiefgründige und nahbare Charakter und wirft sie in eine spannende Geschichte. Im Kern geht es um Buch darum, dass Kinder sich wünschen erwachsen zu werden und Erwachsene sich danach sehnen wieder Kinder zu sein. Oft stellt Funke im Buch durch die Figur des Detektiv Viktors die Frage, ob man sich erinnern kann, wie es sich angefühlt hat, ein Kind zu sein. Ich finde es bewundernswert, dass Cornelia Funke diese Fähigkeit scheinbar nie verloren hat. Die Bücher, die sie schreibt und die Charaktere, die sie schafft, sind nie nur für deine Unterhaltung dar. Funke nimmt ihre Protagonist*innen ernst. Besonders in "Herr der Diebe" sind die Kinder schlau, traurig, nachdenklich und komplex. Obwohl Scipio der Titelheld ist, wird er meistens aus der Sicht einer anderen Person erzählt, was ihn zu einer besonders spannenden Figur macht. So lernen wir ihn kennen wie die anderen Figuren im Buch: mysteriös, rätselhaft und heldenreich und im Laufe des Buches wird mehr und mehr über Scipio enthüllt. Sehr gut gefallen haben mir aber auch die beiden erwachsenen Charaktere Ida und Viktor. Insbesondere Viktor fand ich als Figur sehr spannend. Man lernt ihn kennen mit dem Auftrag Prosper und Bo für dessen Tante zu suchen und zu schnappen. Doch je länger er die Bands kennenlernt und Zeit mit ihnen verbringt, desto mehr wird er vom Antiheld zum Verbündeten. Auch Ida bekommt einen witzigen Twist. Obwohl sie es ist, die von der Bande ausgeraubt werden soll, stellt sie sich ebenfalls auf die Seite der Kindes und hilft ihnen. Ida ist eine Figur, die nie ganz ihre kindliche Neugier verloren hat und somit eine Zwischenfigur darstellt. Oder vielleicht soll sie uns auch daran erinnern, dass man als Erwachsener nicht alles ablegen muss, was einen als Kind begeistert hat. Die Freundschaft und Familienschaft unter den Kindern und zwischen den Kindern und Viktor und Ida hat mich an vielen Stellen sehr berührt. Ich kann die Geschichte wirklich sehr empfehlen, egal welches Alter.