Mir fällt es wirklich schwer, in Worte zu fassen, wie mich Die Grenze zwischen Licht und Dunkelheit berührt. Ich könnte jetzt in eigenen Worten eine Inhaltsangabe verfassen oder beschreiben, inwiefern mir das Buchcover gefällt. Doch das wäre viel zu oberflächlich für diese so besondere Geschichte, die mich einfach nicht loslässt.
Petra Buntes Romane haben so viel mehr Aufmerksamkeit verdient, weil sie in ihren Geschichten wichtige Themen anspricht, die viel zu oft totgeschwiegen werden. Behinderungen von Rettungsdiensten (Weil jede Minute zählt), fehlende Zivilcourage (Dieses viel zu laute Schweigen) und nun Obdachlosigkeit. Die Autorin zeigt auf unvergleichliche Weise, dass im Alltäglichen Geschichten stecken, die es viel mehr verdient haben, erzählt zu werden als irgendwelche Luftschlösser. Ihre Romane könnten direkt vor unserer Haustür spielen und genau deshalb lesen sie sich überaus authentisch. Hier werden Alltagshelden in den Fokus gerückt und sogar Personen am äußersten Rand der Gesellschaft schleichen sich in unsere Herzen.
Obwohl mich Petra Buntes andere Romane begeistert haben, hatte ich ehrlicherweise zunächst Bedenken, als ich vom Thema ihres neuen Romans erfahren habe. Ein Obdachloser als Protagonist in einem Liebesroman? Normalerweise sind es doch millionenschwere Unternehmer und Rockstars, die wir Leser*innen im Romance-Genre zum Anschmachten angeboten bekommen. Aber was soll ich sagen? Tom mit all seinen Selbstzweifeln, seinem verletzten Stolz, seinen inneren Dämonen, seiner knurrigen Art, die er zum Selbstschutz an den Tag legt, hat meine Bedenken schon nach wenigen Seiten beiseitegeschoben. Obwohl er aus materieller Sicht nichts besitzt, hat er doch alles, was ich mir als Leserin von einem Protagonisten wünsche. Wahrscheinlich ist es gerade dieser unerwartete Kontrast aus dem harten Leben auf der Straße und dem emotionalen Liebesroman-Genre, der die Geschichte so anziehend macht.
Neben Toms speziellem Charakter und seiner ergreifenden Geschichte könnte die Protagonistin leicht untergehen. Doch Rieke schafft es mit ihrer liebenswürdigen und natürlichen Art, dass man sie beim Lesen ebenso ins Herz schließt. Wie viele von uns macht auch sie zunächst einen großen Bogen um Obdachlose wie Tom. Aber gemeinsam mit ihr können wir Leser*innen uns an das unbequeme Thema herantasten und unsere Vorurteile hinterfragen. Petra Bunte beschreibt die Obdachlosenszene realistisch, aber immer noch so, dass sie in das Romance-Genre passt. Tom steht schließlich auch genau an der Grenze zwischen Licht und Dunkelheit eine Gratwanderung zwischen der absoluten Hoffnungslosigkeit und der Aussicht auf einen Neuanfang.
Als Verfechterin von Nebencharakteren hat mich das Buch auch aus dieser Sicht begeistert. Allen voran Paul, der ebenfalls auf der Straße lebt und sein Herz genau am richtigen Fleck hat. Die emotionale Beziehung zwischen ihm und Tom hat mich genauso ergriffen wie zwischen den beiden Protagonisten. *schnief*
Schön finde ich auch, dass Moritz und Felix, die beiden Helden aus Petra Buntes ersten Romanen, wieder auftauchen. Es besteht also die Hoffnung, dass es auch irgendwann ein Wiedersehen mit Rieke und Tom gibt. Bis dahin wird Die Grenze zwischen Licht und Dunkelheit einen Platz in meinem Bücherregal finden. Und wenn Toms Geschichte in meinem Gedächtnis verblasst, werde ich es wieder zur Hand nehmen und erneut in diesen eindrucksvollen Roman eintauchen.
Mein Fazit: Für alle, die leidenschaftlich gerne Liebesromane lesen und die wirklich tiefen Gefühle suchen, ein absolutes Muss! Gebt Tom ein Zuhause in euren Bücherregalen und Herzen.