Ein Thriller, der Mordermittlungen mit Klimakrise und Politik verbindet und dabei mehr bietet als reine Spannung.
Eigentlich wollte ich Eisrausch nur mal anlesen. Vom Klappentext her hätte ich vermutlich eher zu einem anderen Thriller gegriffen, denn das Setting Grönland hat mich zunächst nicht besonders gereizt. Gleichzeitig war ich aber neugierig, wie sich ein Doppelmord mit Themen wie Klimakrise, politischen Interessen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten verbinden lässt - und genau diese Neugier hat dafür gesorgt, dass das Buch schließlich doch auf meinem Kindle gelandet ist. Zwei Tage später war ich durch.Was mich sehr überzeugt hat, ist die thematische Tiefe der Geschichte. Der Roman vermittelt neben der eigentlichen Thrillerhandlung viel über das Leben in Grönland und darüber, wie stark der Klimawandel die Lebensrealität der Inuit beeinflusst. Diese Aspekte wirken nicht wie ein erhobener Zeigefinger, sondern sind sinnvoll und organisch in die Handlung eingebettet. Besonders gelungen fand ich die Verknüpfung von Mordfall, Sabotageakten und unterschiedlichen politischen sowie wirtschaftlichen Interessen. Es gab mehrere Verdächtige, verschiedene Gruppierungen und Motive, und ich habe mich immer wieder dabei ertappt, meine Einschätzung zu ändern. Das Miträtseln hat mir großen Spaß gemacht.Stilistisch war das Buch für mich nicht durchgehend rund. Vor allem die vielen grönländischen Namen und Ortsbezeichnungen haben mich beim Lesen regelmäßig aus dem Fluss gebracht, weil ich innerlich ständig über der Aussprache gestolpert bin. Das hat mich zwischendurch genervt, hat aber der Spannung insgesamt erstaunlich wenig geschadet - die Geschichte war stark genug, um mich trotzdem bei der Stange zu halten.Auch das Ende hat bei mir gemischte Gefühle hinterlassen. Einige Dinge wirken nach und bleiben bewusst hängen, andere - wie Johns Besuch beim Tätowierer - konnte ich für mich nicht ganz einordnen. Und eine sehr explizite Folterszene war für mich körperlich kaum auszuhalten. Sie hat ihre Wirkung definitiv nicht verfehlt, war aber so schmerzhaft beschrieben, dass ich sie am liebsten aus dem Kopf gelöscht hätte. Selbst als Frau war das Lesen an dieser Stelle extrem unangenehm.Trotz dieser Punkte überwiegt für mich klar der positive Eindruck. Eisrausch ist ein spannender, gut durchdachter Thriller mit ungewöhnlichem Setting, relevanten Themen und echter Sogwirkung. Nicht alles hat mich stilistisch abgeholt, aber die Geschichte als Ganzes funktioniert sehr gut und bleibt im Kopf. Für alle, die Thriller mögen, die mehr wollen als reine Spannung, ist das Buch definitiv einen Blick wert.