Ein Roman mit enormer Sogwirkung: verstörend, spannend und voller Ambivalenz ¿ vor sommerlich-italienischer Kulisse.
Kein Wort scheint hier zu viel oder zu wenig zu sein ¿ alles sitzt an seinem Platz, und gerade dadurch entwickelt der Roman eine ungeheure Sogwirkung. Wenn Ripley oft als sympathische Figur beschrieben wird, kann ich das für dieses Buch allerdings nicht ganz nachvollziehen. Sympathisch ist er für mich nicht. Und doch fiebert man die ganze Zeit mit ihm mit, wird immer tiefer in seine Geschichte hineingezogen und verfolgt gespannt, wie sich die Ereignisse um ihn herum zuspitzen.Gerade darin liegt für mich die besondere Stärke des Romans: Man heißt sein Handeln keineswegs gut und würde es auch nicht entschuldigen, und trotzdem entwickelt die Geschichte eine Dynamik, der man sich kaum entziehen kann. Immer wieder gerät man in diese seltsame Spannung, gleichzeitig Distanz zu Ripley zu empfinden und doch mit ihm durch die Handlung getragen zu werden. Wie sich sein Leben zunehmend verstrickt und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, ist unglaublich packend erzählt.Man freut sich nicht wirklich mit ihm, wenn sich Situationen zu seinen Gunsten entwickeln ¿ und wäre gleichzeitig fast enttäuscht, wenn alles zu schnell in sich zusammenfiele. Genau diese widersprüchliche Dynamik macht den Reiz des Romans aus. Umso verständlicher ist es, dass die Reihe fortgesetzt wurde. Und so entsteht sofort wieder diese Versuchung, sich noch einmal in diesen unwiderstehlichen Sog hineinziehen zu lassen und zum nächsten Band zu greifen.Verstärkt wird das alles noch durch das Setting: Italien und die anderen europäischen Schauplätze verleihen der Geschichte ein sommerliches, fast urlaubshaftes Flair, das auf eigentümliche Weise mit der düsteren Spannung der Handlung kontrastiert ¿ und gerade deshalb so wirkungsvoll ist.