Mit einem Roman in einer vegetarischen Küche hatte ich ja nicht gerechnet, dass so viele menschliche Zutaten aufeinanderprallen. In Irmas Aubergine brodelt nämlich nicht nur die Suppe, sondern auch das Personal. Da trifft eine tratschfreudige Hilfsköchin auf einen alten Gemüsemann, der angeblich nichts hört aber gefühlt alles mitbekommt und mittendrin eine Chefin, die so kreativ wie unberechenbar ist. Ingrid Noll hat wieder einmal ein Händchen dafür, ihre Figuren mit genau der richtigen Portion Schrulligkeit und Abgrund auszustatten.
Das Ganze liest sich, als würde man einem Küchenensemble beim Improvisieren zusehen: Es zischt, dampft, kracht und plötzlich schmeckts wieder. Der Humor ist trocken, manchmal fast schwarz, und gerade das macht den Reiz aus. Noll schafft es, aus banalen Alltagsmomenten kleine Abgründe zu zaubern, die einen schmunzeln und gleichzeitig unruhig weiterblättern lassen.
Manchmal hatte ich das Gefühl, in einer Folge einer sehr eigenwilligen Küchensitcom zu stecken: ein bisschen Zum Hirschen, ein bisschen Dinner for One, garniert mit einer Prise Lebensweisheit. Es gibt Stellen, da wirds etwas gemächlich fast wie ein zu lang gekochter Eintopf , aber das gehört wohl zum Charme. Die Figuren sind so liebevoll verschroben, dass man ihnen selbst ihre kleinen Bosheiten verzeiht.
Am Ende bleibt der Eindruck eines feinsinnig gewürzten Lese-Menüs: leicht, mit Biss, und nicht ganz ungefährlich. Wer Lust auf menschliche Macken, Küchengeflüster und subtile Spannung hat, ist hier bestens aufgehoben. Und ja nach dem Lesen hatte ich irgendwie Hunger.