ENTSCHLEUNIGEND...Jahrelang war die Arbeit Yu-jins Lebensmittelpunkt. Ein spontaner Impuls führt sie in das kleine Dorf Soyangri, wo Pflaumenblüten duften, und nachts ein atemberaubender Sternenhimmel erstrahlt. Verzaubert von der Schönheit der Landschaft, lässt Yu-jin ihr Leben in Seoul hinter sich und eröffnet am Fuße eines Berges die "Bücherküche" - ein Buchcafé mit Pension. Mit inspirierenden Buchempfehlungen, liebevoll zubereiteten Speisen und berührenden Begegnungen wird die Bücherküche zu einem Ort des Trostes und der Hoffnung. Ein Ort der Ruhe, wenn man im Leben stolpert. Ein geheimes Versteck, in dem man zwischen Buchseiten und Blütenduft wieder zu sich selbst findet. (Verlagsbeschreibung)"Sie entschied sich für "Bücherküche" in der Hoffnung, dass es ein Ort werden würde, an dem sie Leuten Bücher empfehlen könnte, genau wie jemand Speisen empfahl, die dem Geschmack jeder Person entsprachen, und wo die Besucher beim Lesen ihren Geist entspannen konnten, genau wie beim Genuss von gutem Essen."Entgegen meinen Erwartungen bietet der Roman keine durchgehende Handlung, sondern eine Ansammlung einzelner Geschichten, die einen Einblick in das Schicksal verschiedener Personen gewähren. Die Bücherküche bietet den Rahmen, der diese episodenhaften Erzählungen zusammenhält, lässt aber gerade Yu-jin, die dieses Buchcafé mit Pension gegründet hat, meistens recht außen vor. Das fand ich etwas schade, und durch den stetigen Wechsel der Charaktere blieben diese insgesamt auch alle eher flach. Auch wenn man so einen interessanten Einblick in verschiedene Aspekte des Lebens in Südkorea erhält, blieben mir die einzelnen Schicksale doch zu sehr an der Oberfläche, ein emotionales Mitschwingen blieb aus.Ein entschleunigtes Lesen habe ich erlebt. Ich bin den Momentaufnahmen der Personen nicht ungern gefolgt, die eine Pause vom (meist stressigen) Alltag brauchen und Zeit benötigen, um sich wieder auf sich zu besinnen oder auch um zu einer Entscheidung zu gelangen. Bücher spielen hier natürlich immer eine Rolle, aber auch sorgfältig und liebevoll zubereitetes Essen und oftmals auch kleine Gesten oder Gespräche, die für einen Denkanstoß sorgen. Die Atmosphäre des Ortes hat mir sehr gefallen - die Bücherküche in ihrer ruhigen Umgebung in den Bergen in Soyangri würde mir sicherlich auch guttun. Womit ich etwas gehadert habe, sind einige schräge Bilder, wobei ich nicht weiß, was davon der Übersetzung geschuldet ist."Die feuchte, warme Luft (...) schwebte umher wie ein tieffliegender Heißluftballon"oder"Palmen, die sich humorvoll in den Himmel reckten"oder auch"flauschige Wolken so weich wie Hotelbettwäsche"sind jedenfalls Formulierungen, die ich zumindest ungewöhnlich finde. Mit den Namen tat ich mich auch etwas schwer, aber das kann man einem südkoreanischen Buch wohl kaum vorwerfen. Vielleicht hätte ein Personenverzeichnis geholfen, die Namen/Personen besser wiederzuerkennen, wenn sie im Verlauf wieder auftauchen.Alles in allem eine sanfte, sehr langsame Erzählung mit viel atmosphärischer Landschafts- und Stimmungsbeschreibung - lässt einen auch beim Lesen zur Ruhe kommen.© Parden