Atmosphärisch, ehrlich und voller komplexer Beziehungen ¿ ein Roman über Bindungsangst und die Angst vor dem Alltag.
Okaye Tageist kein Buch, das von großen Wendungen oder dramatischen Ereignissen lebt. Stattdessen erzählt Jenny Mustard eine ruhige Geschichte über Beziehungen, Familie und die Angst davor, das eigene Leben in eine Richtung zu lenken, aus der es kein Zurück mehr gibt.Für mich war das Buch der Inbegriff von: "Ich habe so große Angst vor Alltag, Routine und dem möglichen Scheitern einer Beziehung, dass ich sie lieber gar nicht erst eingehe.¿ Genau dieser Gedanke zieht sich für mich durch den gesamten Roman und macht ihn so greifbar.Besonders gefallen hat mir die Dynamik zwischen Sam und Luc. Ihre Beziehung ist alles andere als geradlinig und lebt gerade von den Unsicherheiten, Missverständnissen und unausgesprochenen und ausgesprochenen Ängsten beider Figuren. Gleichzeitig fand ich aber auch Sams Verhältnis zu ihrer Familie unglaublich gelungen. Keine Beziehung in diesem Buch ist einfach - und genau das macht die Figuren so menschlich.Jenny Mustards Schreibstil hat mir ebenfalls richtig gut gefallen. Er ist ruhig, angenehm und unaufgeregt, ohne dabei langweilig zu werden. Die Charaktere wirken vielschichtig und glaubwürdig, mit Ecken und Kanten, die sie wie echte Menschen erscheinen lassen.Auch London hat mir als hauptsächlichen Schauplatz richtig gut gefallen. Die Stadt ist nicht bloß Kulisse, sondern trägt viel zur Atmosphäre des Romans bei und unterstreicht die leise Melancholie, die sich durch das gesamte Buch zieht.Einen Stern ziehe ich trotzdem ab. Nicht, weil mir etwas Konkretes gefehlt hätte, sondern weil mich die Geschichte emotional nie ganz so stark gepackt hat, wie ich es mir erhofft hatte. Es ist ein sehr stilles Buch, das viel zwischen den Zeilen erzählt - und genau das wird viele begeistern, mich aber eben nicht vollständig.Trotzdem istOkaye Tageein Roman, der lange nachhallt. Nicht wegen spektakulärer Ereignisse, sondern weil er eine Angst beschreibt, die wahrscheinlich viele kennen: die Angst, dass nicht die Beziehung selbst scheitert, sondern der Alltag irgendwann alles verdrängt.- 4/5 Sterne