Es ist Herbst in dem kleinen Dorf Disselbach, und die Gemeinde bereitet sich auf hohen Besuch vor: ein Ehrenprälat (hier musste nicht nur ich nachsehen, was es mit dem Titel auf sich hat, auch die evangelische Dorfschullehrerin Fräulein Schneebach hatte keine Ahnung, was er bedeutet) macht auf seiner Reise von Köln nach Trier Station. Dieser Besuch verbreitet etwas Hoffnung in dieser schwierigen Zeit, die geprägt ist von der Unterdrückung von Kritik, Widerstand und politischen Bewegungen der Besatzer. Aber nicht nur die Disselbacher bereiten sich auf den hohen Besuch vor: der Kölner Verbrecher Wolfgang Henkel weiß von einem kostbaren Geschenk, das der Prälat mit sich führt, und er hat noch eine Rechnung mit Karl offen.Zu Beginn der Story stellt Ralf Lano seinen Lesern noch einmal einige Bewohner Disselbachs vor. Karls Vater, der Altschmied, ist ein sturer, alter und kranker Mann. Hätte Fräulein Schneebach ihn nicht so sehr bedrängt, vielleicht hätte er nachgegeben und Karl den Besuch des Gymnasiums erlaubt, statt ihn in die Lehre zu nehmen. Ich mag den alten Mann, seine Sturheit ist meiner sehr ähnlich. :o) Karls Mutter Martha hält Ausschau nach einer passenden Frau für Karl - ansehnlich soll sie sein und eine ordentliche Mitgift mit in die Ehe bringen. Paulina erfüllt so gar nicht ihre Ansprüche. Jakob flüchtet ab und zu vor seiner Tante Christine, die den Hof, auf dem sie leben, mit eiserner Hand und Geiz regiert. Es sind die menschlichen Schicksale, die neben der Krimihandlung das Buch so lesenswert machen, und die kleinen, manchmal beiläufigen humorvollen Szenen, die der Autor in die Handlung einbaut - die nervigen Nachfragen "Sind wir bald da?" mit der Frage nervt Dirk auf dem Weg nach Disselbach, auf dem er und seine Gangsterkollegen im Auftrag des Kölner Verbrecherkönigs Wolfgang Henkel sind, um dessen Rechnung mit Karl zu begleichen, zum Beispiel. Oder Jakobs Auftritt bei der Begrüßung des Prälaten - aber das müsst ihr alles selber lesen.Natürlich kommt auch die Spannung nicht zu kurz, die sich auch im Zusammenhalt der Dorfbewohner zeigt. Die Bande, die aus Bitburg kommt, nimmt das Dorf in der Kirche kollektiv als Geisel und sucht nicht nur den kirchlichen Schatz, sondern auch Karl. Dem gelingt die Flucht, und er versucht mit wenigen Verbündeten, darunter Fräulein Schneebach, das Dorf und sein Zuhause zu schützen. Ralf Lano hat hier einen überraschenden und ungewöhnlichen Weg gefunden, die Story zu erzählen. Alles geschieht an einem einzigen Tag, verpackt in 400 Seiten, und jede dieser Seiten erhöht die Spannung, denn wir sind immer ganz nah bei den Protagonisten. Für mich punktet der Roman auch mit den Dialogen und der Beschreibung des fiktiven Örtchens Disselbach und der beklemmenden Atmosphäre der Nachkriegszeit.