Ralf Lanos spannende und kluge Krimis sind für mich ein so besonderes Highlight, weil sie in einer Zeit verortet sind, die literarisch selten im Mittelpunkt steht, und zeigen, dass das nationalsozialistische Gedankengut eben nicht nach 1945 plötzlich verschwunden ist, sondern seine Anhänger auch weiter in die Gesellschaft und auch auf wichtige Verwaltungsposten zurückkehrten.
Der Dorfschmied Karl Bermes wird erneut in die Ermittlungen um den Todesfall im Waschhaus hineingezogen, auch weil Peters nach dem ersten Vorfall nur eingeschränkt arbeiten darf. Mit jeder Seite verdichtet sich das Geschehen rund um einen erneuten Tauschhandel von Waren, diesmal jedoch um eine bewusstseinsverändernde Sorte. Sie ist mir so bislang noch nicht begegnet und gerade ihre Auswirkungen und ihr eigentlicher Einsatz haben mich beim Nachrecherchieren besonders interessiert.
Was mich an der Reihe überzeugt, ist der übergreifende Blick auf die Zeit nach dem Krieg. Es geht nicht um das Offensichtliche, sondern um das Danach. Um das Weiterleben, um Unsicherheit und die Suche nach Lösungen zwischen harter Arbeit und illegalen Wegen. Auch die Zusammenarbeit zwischen neu gegründeter deutscher Polizei und Besatzung wird aufgegriffen.
Die Figuren entwickeln sich spürbar weiter. Karl gewinnt an Selbstvertrauen und verlässt sich mehr auf seinen Instinkt. Zwischen ihm und Pauline entstehen endlich erneut kleine Annäherungen!
Feldwebel Karb hat mein Herz erweicht. Hinter seiner rauen Art zeigt sich eine zartere Seite, besonders im Umgang mit den Kindern des Schreiners. Diese Momente geben tiefe Einblicke in die qGefühlswelt der Nachkriegszeit voller Verlust und Misstrauen und verdeutlichen, wie schwer es ist, wieder Nähe zuzulassen.
Und wie schon in meinen vorhergehenden Rezensionen beschrieben, bin ich nicht traurig darüber, dass Frau Schneebach diesmal deutlich weniger präsent ist. Da sie am Mitermitteln gehindert wird, bleibt sie im Hintergrund. So schade!
Für mich lebt der vierte Band von seiner Mischung aus Adrenalin, Figurenentwicklung und einem historischen Setting der Spannung und Not, das ein eindringliches Bild der Nachkriegszeit zeichnet.