Ein düsterer, beklemmender Psychothriller, mitreißend aber nicht perfekt.
Ein düsterer, beklemmender Psychothriller, der mit einer starken Grundidee, viel Atmosphäre und emotionaler Spannung überzeugt - auch wenn für mich nicht alles perfekt war."Der Sarg" ist der Folgeband zu "Das Wesen", lässt sich aber problemlos unabhängig davon lesen. Bis auf den Ermittler Bernd Menkhoff gibt es keine direkten Verbindungen.Mich hat diese Geschichte von Anfang an gepackt. Sie bringt genau die beklemmende Atmosphäre mit, die ich mir von einem guten Psychothriller wünsche: ein ungutes Gefühl im Bauch, dauerhafte Anspannung und diese unangenehme Frage, wie viel Dunkelheit in einer Familie verborgen liegen kann.In Köln entführt ein Serientäter Frauen und begräbt sie bei lebendigem Leib. Er hinterlässt gezielte Hinweise, doch wenn die Frauen gefunden werden, ist es längst zu spät.Schon diese Grundidee trifft eine der tiefsten Urängste überhaupt: eingeschlossen zu sein, ohne Ausweg, ohne Luft, ohne Hoffnung. Allein dadurch entsteht eine bedrückende Stimmung, die lange nachhallt.Eva Rossbach steht im Zentrum der Geschichte. Parallel zu den Taten wird sie von schrecklichen Albträumen heimgesucht, in denen sie hilflos in einem Sarg gefangen ist.Am Morgen wacht sie zwar scheinbar unversehrt in ihrem eigenen Bett auf, doch plötzlich entdeckt sie reale Kratzspuren und Hämatome an ihrem Körper. Genau hier beginnt dieses beklemmende Spiel mit Wahrheit, Erinnerung und Angst.Als sich herausstellt, dass das erste Opfer ihre Halbschwester ist, wird die Geschichte noch persönlicher und verstörender.Eva hatte keinen Kontakt mehr zu ihr, und doch scheint es eine Verbindung zu geben, die immer tiefer in die Vergangenheit führt.Nach und nach wird klar, dass Evas Albträume und die Morde miteinander verknüpft sind. Arno Strobel führt seine Leserinnen und Leser dabei immer wieder auf falsche Fährten. Das entsetzliche Geheimnis, das Eva und ihre Familie umgibt, enthüllt sich nur langsam - und gerade dieses langsame Begreifen macht die Geschichte so intensiv.Besonders stark fand ich, dass die Gewalt lange eher angedeutet als ausführlich beschrieben wird. Dadurch entsteht viel Raum für die eigene Vorstellungskraft - und genau das macht manche Szenen fast noch bedrückender. Gegen Ende wird Strobel deutlicher, und man steht einigen Grausamkeiten ziemlich fassungslos gegenüber. Natürlich ist es Fiktion, aber leider gibt es immer wieder Momente, in denen man daran erinnert wird, dass die Realität manchmal noch erschreckender sein kann. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, um nicht zu spoilern.Für mich ist "Der Sarg" ein spannender, düsterer und emotional beklemmender Psychothriller, der auch Jahre nach seiner Veröffentlichung nichts von seiner Wirkung verloren hat. Nicht alles war für mich perfekt, einige Passagen waren zu langatmig und nicht alles schien der Logik der Geschichte zu folgen. Zum Ermittlerteam konnte ich keinerlei Verbindung aufbauen und die Mitglieder verhielten sich irgendwie seltsam und blieben blass. Auch die Ermittlungsarbeit wirkte unausgereift und manchmal war es mir schleierhaft, wie bestimmte Erkenntnisse gewonnen wurden. Aber die Atmosphäre, die Spannung und das beklemmende Thema haben mich wirklich mitgerissen. Deshalb gibt es von mir sehr gute 4 Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die psychologische Spannung mit Gänsehautmomenten mögen.