Als Gesa von ihrem Freund Levi einen Heiratsantrag bekommt, bleibt die Welt für sie stehen. Und das nicht im positiven Sinne. Denn Gesa möchte nicht heiraten und läuft weg. Levi fasst das gar nicht gut auf und von einem auf den anderen Tag steht Gesa ohne Wohnung da. So beschließt sie, in die Berge zu fahren, um sich abzulenken und wieder ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Dort trifft sie auf Joel. Joel ist mürrisch und abweisend und so gar nicht die Gesellschaft, die Gesa sich gewünscht hat. Trotzdem zieht sie irgendetwas zu Joel. Sie bittet ihn, ihr Gesellschaft zu leisten. Diese Gesellschaft nimmt rasant an Fahrt auf und erreicht Tiefen, mit denen weder Gesa noch Joel gerechnet haben. Doch beide wissen, dass die gemeinsame Zeit endlich ist.
Ein Blick von dir ist ein Buch welches mich auf vielen Ebenen sehr überrascht hat. Der Titel passt übrigens wahnsinnig gut, was mir gerade nach Abschluss der Lektüre bewusst wird.
Zunächst einmal möchte ich auf den Schreibstil eingehen. Die Autorin schreibt so herrlich leicht, dass ich sofort in der Geschichte drin war. Ich musste direkt mehrfach lachen, weil sie es mit einer ganz besonderen Leichtigkeit schafft, absurde Situationen und lustige Gespräche zur kreieren. Ich mochte den Schreibstil von der ersten bis zur letzten Seite sehr, denn er hat mir ein Gefühl von Leichtigkeit gegeben, auch wenn die Thematik gar nicht so leicht war, wie es zunächst den Anschein hat.
Mir war zu Beginn nicht bewusst, wie tief die Geschichte gehen würde. Natürlich haben beide Protagonisten ihr Päckchen zu tragen und das ist auch von vorne herein klar. Beide bringen eine Vergangenheit mit, die sich nicht so einfach auslöschen lässt.
Was mich aber ganz besonders beeindruckt hat, ist dass sich die Autorin sehr dem Thema People Pleasing angenommen hat und gewisser Weise zumindest für mich einer doch recht toxischen Beziehung oder zumindest keiner auf Augenhöhe. Nicht nur einmal schockierte mich Levis Verhalten (keine Gewalt!), seine Aussagen und sein Denken. Gesa ist eine wahnsinnig starke Frau, die aber vergisst auch mal nach sich selbst zu schauen und für sich selbst einzustehen, anstatt es immer nur allen recht zu machen. Die Autorin nimmt sich dieses Themas an und tut dies auf eine ganz besonders einfühlsame und berührende Art und Weise.
Gerade Gesa ist für mich ein Paradebeispiel einer Entwicklung, die eine Protagonistin in einer Geschichte durchmachen kann. Es ist so toll zu beobachten, wie sie immer mehr zu sich selbst findet, auch wenn Rückschläge natürlich nicht ausbleiben. In vielen Situationen hätte ich sie gerne in den Arm genommen und ihr das Selbstvertrauen gegeben, das ich ehrlicherweise selbst nicht besitze. Vielleicht hat mich die Geschichte auch deshalb so berührt. Ich kenne das Gefühl, wenn man es den Leuten recht machen möchte, wenn man niemanden verärgern und lieber unter dem Radar bleiben möchte.
Doch nicht nur schwere Themen haben hier ihren Platz. Erfrischend und frech gibt es durchaus auch die ein oder andere spicy Stelle. Seien es Dialoge, Blicke oder auch nur gewisse Heftromane (jeder, der das Buch kennt, weiß, was ich meine). Und selbst hier, schafft es die Autorin sich ihren Humor und ihre Leichtigkeit zu bewahren, ohne das Thema ins Lächerliche zu ziehen. Die ein oder andere spicy Szene überraschte mich, lockerte die Geschichte aber genau zum richtigen Zeitpunkt auf und passte sehr gut zu den Protagonisten. Dabei muss auch gesagt sein, dass hier nicht allzu viel ins Detail gegangen wird. Sicherlich werden einige Dinge deutlich benannt, was mich persönlich absolut nicht gestört hat. Es gibt aber keine seitenweisen spicy Szenen, bei denen man sich fragt, wann diese endlich zu Ende sind. Viel mehr wird die Anziehung der Protagonisten auch immer wieder unterschwellig dargestellt und nur durch kleine Gesten und Blicke deutlich.
Zu all dem Positiven kommt dann auch noch eine wunderschöne Umgebung in den Bergen, die mich von Urlaub in Österreich oder im Allgäu hat träumen lassen. Auch wenn ich mich vor mancher Steigung sicherlich mehr in Acht genommen hätte, als unsere Protagonistin Gesa.
Ein Blick von dir war für mich eine rundum gelungene Geschichte, die so vieles in mir ausgelöst hat. Sie hat mich bestens unterhalten, zum Lachen gebracht und direkt danach wieder nachdenklich gestimmt. Sie hat mich auch stellenweise traurig gemacht, um mich dann aber ein paar Seiten später wieder aufzuheitern. Ein ganz wunderbar gelungenes Gesamtpaket, dass ich allen sehr ans Herz legen kann, die gerne Liebesgeschichten lesen, die mehr bieten, als man auf den ersten Blick erkennen kann und die gerne emotional mitgenommen werden.