Die Prämisse des Romans verspricht Spannung und ein großes Rätsel - die klassischste Kombination im Genre. Durch den Ich-Erzähler bekommt die Handlung einen besonderen Drive, denn Sami Kierce ist ein vielschichtiger Charakter, der so manche Überraschung zu bieten hat. Etwa dass er als suspendierter Polizist einiges auf dem Kerbholz hat, zugleich trotz vieler Alleingänge aber grundehrlich für seine Familie sorgt, denn Verlustängste kennt er aus der Vergangenheit nur zu gut.Lediglich durch den gefühlsbeladenen Prolog muss man sich kämpfen, bis zur entscheidenden Tat liest der sich fast wie eine beliebige Teenie-Romanze. Gut, es verdeutlicht Sami Gefühle für Anna und lässt immerhin das Verbrechen umso schockierender erscheinen. Wenn dann aber erst einmal die Jagd nach der Wahrheit beginnt kann man das Buch kaum noch aus der Hand legen. Ohne sich in viele Klischees zu verstricken schickt Coben Sami und seine illustre Schar von Detektiv-Azubis auf eine Spurensuche quer durch New York, die gleich zwei Verschwörungen zutage fördert.Denn neben der Frage was mit Anna passiert ist und warum ihre Umgebung plötzlich so großen Wert auf Diskretion und Privatsphäre legt gilt es auch Samis letzten Fall aus seiner aktiven Laufbahn bei der Polizei aufzuklären, der ihn einst den Job gekostet hat. Ein gelungener, geradezu klassischer Thriller mit gut platzierten, glaubwürdigen Wendungen, der sogar weitgehend ohne Brutalität oder Schlüpfrigkeit auskommt. Beide Fälle sind so konstruiert, dass man sie von Anfang gut nachvollziehen kann und dann doch noch überrascht wird.Originaltitel: "Nobody's Fool"