1921 treffen im Kurbad "Zur Sommerfrische" auf der Insel HIddensee drei junge Frauen aufeinander: Während Edith von Ulmenau, die an einem rätselhaften Husten leidet, und die junge Wally Rose, die sich als ihre Herrin ausgeben muss, die mit ihrer heimlichen LIebe auf Reisen gegangen ist, sich ein Zimmer teilen, arbeitet Mette als Oberschwester in der Kurklinik. Schnell verbindet die Frauen eine tiefe Freundschaft. Und auf die unterschiedlichsten Arten machen alle drei die Bekanntschaft mit der LIebe - doch kann das bei den ungleichen Voraussetzungen gut gehen?
Die norddeutsche Autorin Annette Weber legt nach zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern, aber auch Theaterstücke und Kurzgeschichten sowie zeitgenössischen LIebesromanen , mit "Kurbad Hiddensee - Meeresleuchten" den Auftakt einer neuen Reihe vor, die ihre Leser*Innen in das Kurbad Hiddensee zur Sommerfrische führt.
MIt leichter Hand lässt Annette Weber ihre Leser*Innen nicht nur die wunderschöne Insel erkunden, sondern beschreibt auch das Kurgeschehen von vor ca. 100 Jahren. Manchmal musste ich schmunzeln, wie sehr das beschriebene Gesundheitsprogramm schon damals dem heiutigen Programm ähnelt mit Gymnastikgruppen, Inhalationen, Bädern, Tränken usw. Gut eingefangen hat Weber auch die typischen Denk-, Fühl- und Verhaltensweisen der Gesellschaft in den frühen zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. (Da wurde wieder einmal deutlich, wie glücklich wir Frauen im 21. Jahrhundert uns schätzen dürfen in vielen Belangen.)
Dabei gelingt es der Autorin, höchst unterhaltsam zu erzählen und viel Spannung aufkommen zu lassen, denn die Geschichten der drei Hauotfiguren kommen nicht ohne Drama aus, das letztendlich jedoch aufgelöst werden kann in einem - teilweise außerordentlich überraschenden - Happy End.
Im Mittelpunkt stehen mit einem DIenstmädchen, einer Krankenschwester und einer Adligen drei vollkommen unterschiedliche Frauenfiguren mit den verschiedensten Hintergründen; doch alle eint das Ziel, glücklich zu sein und ihr Leben in eine positive Richtung zu bringen. Alle drei machen eine Entwicklung durch, die glaubhaft beschrieben ist und in die Zeit passt, in der Frauen noch in starken Abhängigkeiten standen. Doch alle zeigen eine große Stärke und behaupten sich schließlich nach etlichen Hindernissen.
Besonders schön dabei fand ich, dass nicht nur die LIebe als einziges Ziel ausgemacht wird, sondern auch der Wunsch nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Frauen. Die Männer sind in Teilen doch eher Staffage und treten hinter den starken Frauen zurück.
Über das ein wenig zu rührselige Ende sehe ich da gerne hinweg.
Mich hat dieser leichte, aber nicht kitschige Sommerroman gut unterhalten und ich hoffe, dass Annette Winter mich bald wieder nach Hiddensee entführt. Gespannt bin ich auch, ob Edith, Wally und Mette dann auch im nächsten Band der Reihe die Hauptfiguren sein werden, oder ob weiter die Kurklinik im Mittelpunkt stehen wird.