Meine Meinung
Dem Autor Marcel Huwyler ist mit dem 8. Band aus der Reihe der Frau Morgenstern neuerlich ein hintersinniger, skurriler und schwarzhumoriger Kriminalroman grandios gelungen.
Falls jemand die anderen Bände der Reihe nicht gelesen hat (und daher ganz eindeutig etwas versäumt hat) findet er sich in Frau Morgenstern und die Entführung durch geschickt in den aktuellen Fall eingewobene Vorinformationen rasch zurecht.
Frau Morgenstern und Herr Schlunegger haben mit den beiden unerwartet aufgetauchten Zwillingstöchtern von ebendiesem zu einer Art Patchworkfamilie zusammengefunden. Nach Violettas letztem Auftrag hat sie das Gefühl, ein wenig Abstand zu ihrem Job und den Familienpflichten zu brauchen und bricht zu ihrem Maurice nach Gozo für ein paar Ferientage auf. Doch dort kommt sie nicht an, denn als sie noch Proviant für die Reise besorgen möchte, gerät sie vor dem Feinkostladen in eine Entführung. Da sie meint, einige Pluspunkte auf ihrem Karma Konto wären nicht verkehrt, schließt sie sich freiwillig als zweite Entführungsgeisel dem Ganzen an und möchte damit der Entführten helfen. Herr Schlunegger sucht bald darauf mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln nach Omistern, ohne jedoch den Arbeitgeber der beiden, die Agentur TELL, einzuweihen. Miguel stößt bei der Suche fast an seine physischen und psychischen Grenzen, aber auch Frau Morgenstern ist in der Zwischenzeit nicht untätig und tüftelt mit allen erdenklichen Mitteln an einer Befreiung aus der Geiselhaft.
Mehrere Erzählstränge sorgten für nervenaufreibende Spannung und gleichzeitig humorvolle Unterhaltung beim Lesen. Schien der Fall auf den ersten Blick noch so skurril - es gelang dem Autor den Spannungsbogen bis zu einer schlüssigen Erklärung und Auflösung des Ganzen aufrecht zu erhalten.
Besonders der Wortwitz und die Wortneuschöpfungen im Krimi begeisterten mich wiederum hellauf. Einziger Wermutstropfen in der aktuellen Geschichte ist das Fehlen der aberwitzigen Dialoge und Frotzeleien zwischen Miguel und Violetta, denn die beiden agieren diesmal getrennt voneinander. Die Verwendung von einigen schweizerischen Ausdrücken gefiel mir, da sie Lokalkolorit in die Geschichte brachten. Die Charaktere wurden detailreich und menschlich sehr vielschichtig präsentiert und ich sah die Personen sehr gut vor meinem geistigen Auge.
Der Krimi faszinierte mich, wie bereits seine Vorgänger, aufgrund seines Aberwitzes und seiner Skurrilität. Ich konnte tief in die Geschichte eintauchen und mich von ihr mitreißen lassen. Aufgrund der spannenden Erzählweise und des gut eingefädelten Plots las ich die Geschichte fast in einem Rutsch - ein echter Pageturner!
Mein Fazit
Wer einen aberwitzigen, skurrilen, aber dennoch gut eingefädelten Krimi mit schweizerischem Lokalkolorit und vielen Wortneuschöpfungen sucht, dem sei Frau Morgenstern und die Entführung wärmstens empfohlen. Ich habe die schwarzhumorige, temporeiche Lektüre des 8. Bandes, wie auch schon die der Vorgängerbände, genossen und oute mich gerne als Morgenstern-Fan. Ich vergebe die volle Sternezahl und meine absolute Leseempfehlung!