Matts Leben endet plötzlich, ohne Ankündigung, durch eine schwere Krankheit. Er hat sich zwar nicht mit dem Sterben abgefunden, ist aber doch überrascht, als ihn nach dem Tod nicht das Jenseits erwartet, sondern die Möglichkeit, als Held ein neues Leben auf einer fremden Welt zu beginnen. Sein Ziel: der Gartenplanet Gaia und dort Ruhe und Frieden. Als er jedoch dort ankommt, sieht die Realität ganz anders aus. Gaia ist tot und verlassen, nicht mal die Bakterien das haben überlebt, was auf dem Planeten geschehen ist. Ganz allein, ohne Ressourcen und ohne Wissen muss er sich der tödlichen Einöde stellen und Antworten finden. Warum ist er hier? Was ist passiert? Und vor allem: Ist dort draußen noch etwas? Spätestens nach dem durchschlagenden Erfolg der Science-Fiction Reihe "Dungeon Crawler Carl" ist klar, dass sich SciFi Geschichten, die von Videospielen inspiriert sind, sprich "LitRPGs", sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Ein solches Abenteuer bietet auch die Geschichte von Matt auf dem toten Planeten Gaia, der Titel verrät auch schon alles, was man wissen muss: Deadworld Isekai. Matt ist der Held, der Gaia retten soll, im Großen oder im Kleinen, seine Aufgabe nimmt aber ganz andere Dimensionen an, als erwartet. Theoretisch funktioniert das Ganze eben wie ein Videospiel, nur eben in echt, es gibt Missionen, Gegenstände und Gegner, bloß die Simulation fehlt. Obendrein wird alles von einer KI kommentiert, auf die die Bezeichnung "beleidigte Leberwurst" ganz wunderbar zutrifft. Der Schreibstil ist extrem nüchtern und deskriptiv, beinahe gesichtslos, wird aber immer wieder von herrlich sarkastischen Kommentarboxen des Spielsystems unterbrochen, sodass ein schräger Kontrast entsteht. Potenzial hat die Idee von R.C. Joshua also auf jeden Fall. Das Buch hat allerdings so seine Startschwierigkeiten. Der Autor hat nämlich keine Zeit damit verschwendet, die äußeren Umstände seines Protagonisten oder irgendwelcher anderen Instanzen genauer zu erklären, es geht auf ziemlich holprige Weise direkt los, ganz ohne Anleitung, dafür mit einer Menge Chaos. Das Ganze wird auch später nicht nachgeholt, sondern wohl leider einfach als nebensächlich betrachtet. Stattdessen liegt der Fokus darauf, möglichst schnell ins Geschehen einzusteigen. Matt hat gar keine Chance zu protestieren, er landet direkt im tödlichsten Tutorial aller Zeiten, mitten in einem System, das nicht mehr funktioniert. Man könnte meinen, dass man den Protagonisten während seiner kräftezehrenden Reise etwas besser kennenlernt, doch das erweist sich als Trugschluss. Matt ist knallhart, wenn es ums Durchziehen, sprich ums bloße Überleben geht, doch darüber hinaus gibt es leider kaum etwas über ihn zu erfahren, er bleibt ein unbeschriebenes Blatt. Das ist auch der größten Kritikpunkt am Buch. Die Geschichte ist von Anfang an faszinierend, trotz des nicht optimal gelungenen Einstiegs, doch der Protagonist ist erstaunlich wenig aussagekräftig. Erst nach über der Hälfte des Buches beginnt er, einem so langsam, aber sicher ans Herz zu wachsen. Obwohl es mit Startschwierigkeiten zu kämpfen hat und ein paar Lücken aufweist, findet sich auf den Seiten dieses Buchs ein überraschend unterhaltsames Abenteuer. Der Überlebenskampf wird schnell zu einer steten Suche nach Antworten gemischt mit panischem Davonrennen und schließlich ein Stellvertreterkrieg mit einer von ihrer Existenz ermüdeten KI. Aller Kritik zum Trotz: ich wurde hier gut unterhalten und musste mir den einen oder anderen Lacher verkneifen.Wirklich viele Antworten auf die großen Fragen gibt es im ersten Band noch nicht, doch es bildet sich gegen Ende eine Tendenz heraus, die andeutet, in welche Richtung die anderen beiden Teile der Trilogie sich entwickeln werden. Eines ist sicher: Gaia hat noch einige Geheimnisse auf Lager. Wenn der Autor es schafft, diese gut zu verpacken und die Qualitätssteigerung der zweiten Hälfte des ersten Bandes beizubehalten, dann ist die gefährliche Reise die Mühe wert.