Martin Suter ist bekannt dafür, in seinen Romanen die Welten der Hochfinanz, der Chefetagen und des gehobenen Bürgertums zu sezieren und so Korruption, Wertewandel und Machstrukturen hinter den glänzenden Fassaden zu demaskieren. Auch in "Wut und Liebe" sind der trügerische Schein und das Spannungsverhältnis zwischen Liebe und Geld das Leitthema.Die beiden Hauptfiguren in Suters Roman sind der erfolglose Künstler Noah und die Witwe Betty. Noah, Anfang 30, hat als Maler immer noch nicht den großen Wurf gelandet und ist finanziell abhängig von seiner Freundin Camilla, die als Buchhalterin arbeitet. Eines Tages verlässt sie ihn, weil sie Noah zwar "liebt, aber nicht das Leben mit ihm". Da lernt der verzweifelte Noah, der alles tun würde, um seine große Liebe zurückzugewinnen, die 65-jährige Witwe Betty kennen. Und die ältere Dame macht ihm ein Angebot, das gleichermaßen verlockend wie verwerflich ist.In der Folge entwickelt sich eine Geschichte über gekränkte und zerstörerische Gefühle, finanzielle Abhängigkeiten und Käuflichkeit. Über allem die zentrale Frage, wie weit man nach einem Verlust bereit ist zu gehen. Ich habe "Wut und Liebe" durchaus als kurzweilig und unterhaltsam empfunden. Die Geschichte liest sich flüssig und pointiert. Getragen wird alles von Suters schnörkelloser Sprache, die wie immer auf den Punkt ist, den routinierten Dialogen und einigen klugen Gedankengängen. Wie in vielen seiner Romane bedient sich Suter auch hier wieder dem Spiel mit Sein und Schein, was den Plot sehr spannend macht.Trotzdem ist "Wut und Liebe" für mich einer von Suters schwächeren Romanen. Es hat sich zwar alles nett und schön gelesen, aber irgendwie wirkte die Handlung am Ende nicht so ganz in sich stimmig. Manche Motive und Wendungen wirkten etwas überhastet und auch die psychologische Entwicklung der Figuren war nicht so ganz ausgegoren. Vielleicht liegt es auch daran, dass keines der vielen Themen und Motive, die Suter in seinen Roman hineingewoben hat, so richtig vertieft werden. So schneidet der Roman unter anderem die Themen Geldwäsche, Freundschaft in Geschäftsbeziehungen, Liebe gegen Geld, finanzielle Abhängigkeit und die Freiheit des Künstlers an, aber alles wird nur kurz angeschnitten und macht dann gleich dem nächsten Thema Platz.In der Summe ein unterhaltsamer Roman mit durchaus klugen Gedankengängen, aber nicht mein Lieblings-Suter.