Spannende Grundidee und zwei starke Antonias ¿ trotzdem blieb ich am Ende mit mehr Fragezeichen als Antworten zurück.
Im Leben nebenan ist für mich eines dieser Bücher, bei denen ich nach der letzten Seite dasitze und denke: "Okay ... und was genau mache ich jetzt damit?"Dabei wollte ich die ganze Zeit weiterlesen. Nicht, weil die Geschichte wahnsinnig spannend gewesen wäre oder ich vor lauter Nervenkitzel das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Sondern eher, weil ich unbedingt wissen wollte, wie sich dieses ganze verwirrende Konstrukt am Ende auflöst. Ich war fest davon überzeugt: Irgendwann kommt der Moment, an dem alles zusammenpasst und ich zufrieden denke: "Aaaah, deshalb!"Nun ja. Auf diesen Moment warte ich irgendwie immer noch.Was mir dagegen richtig gut gefallen hat, waren die beiden Versionen von Antonia: Antonia mit Kind und Toni ohne Kind. Ich konnte mich erstaunlich gut in beide hineinversetzen und fand gerade diesen Gedanken sehr spannend: Wie unterschiedlich kann ein Leben verlaufen, wenn man an einer entscheidenden Stelle einen anderen Weg einschlägt?Dabei hatte ich nie das Gefühl, dass eines dieser Leben automatisch das "richtige" oder bessere ist. Beide Antonias haben ihre eigenen Gedanken, Wünsche, Probleme und Zweifel - und genau das fand ich sehr gelungen. Das Buch spielt schön mit der Frage nach dem berühmten "Was wäre, wenn ...?", die wahrscheinlich jeder von uns kennt.Trotzdem hat es mich am Ende nicht wirklich gepackt. Ich habe weitergelesen, ich wollte verstehen, ich wollte wissen, wohin das alles führt - aber als ich dort angekommen war, hat mir etwas gefehlt. Das Ende hat mich nicht befriedigt und viele meiner Fragezeichen leider nicht in Ausrufezeichen verwandelt.Und so bleibt Im Leben nebenan für mich ein Buch mit einer wirklich interessanten Grundidee und zwei Protagonistinnen, die ich gerne begleitet habe, das aber nach dem Lesen überraschend wenig Spuren hinterlässt.Oder anders gesagt: Ich konnte es nicht weglegen - aber so richtig weiß ich bis heute nicht, warum.