Lange habe ich dem Erscheinen dieses Buches entgegengefiebert, wird es doch von vielen als absolutes Lesehighlight bezeichnet. Am Wochenende war es dann so weit: Endlich konnte ich mich selbst davon überzeugen. Leider muss ich gestehen, dass es für mich kein Highlight war, sondern eher zu den guten Thrillern zählt, die man durchaus lesen kann.
Aber fangen wir ganz von vorne an.
Der Einstieg fiel mir wirklich sehr leicht. Liz Nugent hat eine angenehme Schreibweise, die ein zügiges Vorankommen ermöglicht. Sally ist schon ein seltsamer Vogel, aber gerade wegen ihrer Eigenheiten absolut liebenswert, verbrennt sie doch tatsächlich ihren verstorbenen Vater in einer Tonne, weil er es ihr aufgetragen hat.
Ihr gesamtes Auftreten strotzt vor Selbstbewusstsein. Sie ist sich ihrer Einzigartigkeit durchaus bewusst, aber sie ist glücklich damit.
Der Thriller ist in drei Teile gegliedert, wobei sich der erste ausschließlich mit Sally und ihrer Vergangenheit beschäftigt. Hier konnte Liz Nugent mein Herz berühren, denn das, was Sally durch leiden musste, war schon hart. Doch im zweiten Teil der Geschichte wurde es noch schlimmer.
Hier kommt eine weitere Person ins Spiel, und damit wird das wahre Grauen erst richtig sichtbar. Bei manchen Situationen konnte ich nur den Kopf schütteln und regelrecht mitfiebern.
Leider war mir der Mittelteil mit Sally etwas zu lang. Versteht mich nicht falsch: Die Autorin baut die Spannung bewusst langsam auf, aber für meinen Geschmack wurde die Handlung stellenweise etwas zu glatt und vorhersehbar.
Spannend waren für mich vor allem die Kapitel des anderen Charakters. Mit dieser Entwicklung hätte ich allerdings überhaupt nicht gerechnet , sie hat mich wirklich fassungslos zurückgelassen.
Erst im dritten und letzten Teil kam für mich wieder etwas mehr Schwung in die Geschichte.
Der Thriller hebt sich nicht durch Blut oder ständige Twists hervor, sondern vielmehr durch seine psychologische Grausamkeit. Wäre der Mittelteil nicht so lang geraten und Sallys Werdegang nicht so perfekt, hätte das Buch für mich durchaus ein Highlight werden können.