Daniel Kehlmann macht aus Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß keine Denkmäler. Er setzt sie in Bewegung ¿ den einen unermüdlich durch Landschaften, Höhen und politische Zumutungen, den anderen widerwillig durch das eigene Leben und die Zumutungen anderer Menschen. Aus dieser Gegenüberstellung gewinnt der Roman seine Komik, aber auch seine Melancholie.Die eigentliche Pointe liegt darin, dass beide Männer die Welt vermessen wollen und dabei an ihr vorbeileben. Humboldt sammelt Erfahrungen bis zur Selbstüberforderung; Gauß zieht sich in den Kopf zurück und hält die Wirklichkeit für eine lästige Störung seiner Berechnungen. Kehlmanns nüchterner, leicht schräg gerückter Ton nimmt ihren Ruhm ernst, ohne ihn ehrfürchtig zu behandeln.Dass die historischen Figuren keine biografisch getreuen Porträts sein wollen, ist Stärke, nicht Mangel: Der Roman arbeitet mit ihnen als literarischen Möglichkeiten. Manche Zuspitzung ist bewusst anekdotisch, doch die Sprache bleibt so präzise und leichtfüßig, dass selbst Gedanken über Messung, Fortschritt und Größenwahn erzählerischen Zug bekommen. Ein kluger, sehr komischer und zugleich erstaunlich trauriger Roman.