Ein ungewöhnlicher Ermittler, ein Setting abseits der üblichen Krimi-Schauplätze und eine Sprache, die irgendwo zwischen Berliner Schnauze, feinem Humor und echtem Feinsinn pendelt dieses Buch hat mich überrascht, begeistert und bestens unterhalten.
Erdmann ermittelt ist kein typischer Kriminalroman, sondern eine Sammlung raffinierter Kurzgeschichten mit Wiedererkennungswert: jeder Fall ein bisschen skurril, ein bisschen traurig, sehr menschlich und immer mit einem ironischen Augenzwinkern. Kommissar Erdmann ist ein Charakter, wie man ihn sich wünscht: klug, unbequem und voller Ecken und Kanten. Unterstützt von einer wunderbar eigenwilligen Redaktion und einem treuen Sidekick, entsteht hier ein ganz eigener Kosmos zwischen Vereinsheim, Tennissand und kriminalistischem Spürsinn.
Was mir besonders gefallen hat: Die Fälle sind nicht reißerisch, sondern feinsinnig konstruiert. Es geht weniger um Mord und Totschlag als um das, was zwischen Menschen schieflaufen kann und wie man das mit Herz, Verstand und einer Thermoskanne Kaffee wieder geradebiegen kann.
Wer Lust auf Krimis abseits des Mainstreams hat, mit sprachlichem Stil und erzählerischer Tiefe, sollte Erdmann eine Chance geben. Ich hoffe auf viele weitere Fallakten!