Worum gehts?
James Vance lädt alte Freunde aus dem College auf seine Insel ein, ein Treffen, das alljährlich stattfindet. Doch dieses Jahr hat es einen anderen Zweck: Ein Krimidinner, bei dem der Mord an seiner Frau aufgeklärt werden soll. Auch Colin Alcott, ehemaliger Studienfreund von James und inzwischen Privatdetektiv, ist eingeladen. Seine Rolle: der ungebetene Gast.
Meine Meinung:
Mit Der Gastgeber Tödliches Dinner veröffentlicht die Autorin ihren ersten Thriller unter dem Pseudonym Alex March. Wobei ich persönlich sagen muss, dass ich das Buch eher als Kriminalroman einordnen würde. Für einen Thriller war es mir stellenweise zu wenig blutig. Aber ehrlich? Das hat dem Leseerlebnis keinen Abbruch getan. Ganz im Gegenteil. Denn der eigentliche Reiz liegt hier nicht in brutalen Szenen, sondern in der Atmosphäre, den Figuren und diesem herrlich perfiden Spiel aus Wahrheit, Lügen und alten Geheimnissen.
Und genau damit hat mich das Buch sofort gepackt. Als Fan von Exit Rooms und Krimidinnern war ich praktisch verloren, sobald die Gäste die Insel betreten haben. Ein abgelegenes Anwesen, eine Gruppe ehemaliger Freunde, ungelöste Spannungen zwischen den Charakteren, ein drohendes Unwetter und eine Insel, die langsam vom Festland abgeschnitten wird. Natürlich kennt man solche Settings bereits. Aber Alex March schafft es, daraus trotzdem etwas Eigenes zu machen. Etwas, das sich anfühlt wie ein düsteres Gesellschaftsspiel, bei dem jeder Blick zu lange dauert und jeder Satz eine zweite Bedeutung haben könnte.
Besonders gut gefallen hat mir, dass wir über die Figuren zunächst nur wenig erfahren. Das passt perfekt zur Geschichte, denn hier trägt wirklich jeder ein Geheimnis mit sich herum. Jeder könnte schuldig sein. Jeder könnte lügen. Und genau dadurch entsteht diese permanente Unsicherheit, die sich durch das ganze Buch zieht. Die Charaktere selbst sind wunderbar gewählt: vom überkorrekten Professor über den Politiker bis hin zur exzentrischen Künstlerin ist alles dabei. Menschen, die sich seit Jahren kennen und sich doch vielleicht nie wirklich gekannt haben. Und das Beste, bis auf Colin spielt jeder die Rolle einer/s anderen, was alles zusätzlich intensiviert.
Was mir außerdem richtig gut gefallen hat: Dieses Gefühl, immer tiefer in die Geschichte hinter der Geschichte hineingezogen zu werden. Wie bei einem echten Krimidinner bekommen wir Gang für Gang neue Hinweise serviert. Jede Unterhaltung verändert etwas. Jede Enthüllung wirft neue Fragen auf. Gemeinsam mit den Figuren setzt man Stück für Stück das Puzzle zusammen und merkt dabei gleichzeitig, dass man eigentlich völlig im Dunkeln tappt. Ich gebe zu: Bis zum Schluss habe ich erwartet, dass James plötzlich wieder auftaucht wie bei SAW und erklärt, dass alles Teil eines größeren Spiels war. Mit der tatsächlichen Auflösung hätte ich jedenfalls niemals gerechnet. Zum Glück gibt es Colin, der am Ende alles ganz klassisch wie ein Ermittler alter Schule zusammensetzt und erklärt. Eben genau so, wie man es von einem guten Kriminalroman erwartet.
Und obwohl das Setting vertraut wirkt, obwohl viele Elemente klassisch sind, funktioniert das Gesamtbild einfach hervorragend. Spannung, Twists, Geheimnisse und dieses ständige Gefühl, dass unter der Oberfläche jederzeit etwas eskalieren könnte. Ich wäre bei diesem Krimidinner ehrlich gesagt sofort dabei gewesen. Wahrscheinlich mit schlechtem Wein, panischem Blick und spätestens nach dem zweiten Gang überzeugt davon, selbst der Mörder zu sein. Colin ist definitiv ein Charakter, den ich mir auch gut als wiederkehrenden Serienhelden vorstellen könnte. Vielleicht sogar gemeinsam mit Beth. Und jetzt bin ich wirklich gespannt, was als Nächstes unter dem Namen Alex March erscheint.
Fazit:
Der Gastgeber Tödliches Dinner ist ein atmosphärischer Kriminalroman voller Geheimnisse, falscher Fährten und herrlich unangenehmer Spannungen zwischen alten Freunden. Wer klassische Whodunits, abgeschottete Settings und Krimidinner liebt, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Besonders Fans von Rätselgeschichten und Ermittlungen mit Agatha-Christie-Vibes dürften ihre Freude haben. Für mich war das Buch ein absoluter Pageturner mit genau der richtigen Mischung aus Spannung, Atmosphäre, tollen Charakteren und cleveren Wendungen.
5 Sterne von mir.