Schon nach den ersten Seiten war klar, dass ich dieses Buch nicht so schnell wieder aus der Hand legen werde. Der Schreibstil ist so angenehm, flüssig und bildhaft, dass man sich ihm kaum entziehen kann. Ich bin regelrecht durch die Seiten geflogen und habe völlig die Zeit vergessen. Was mich total gefreut hat, weil ich das bei wenig Büchern in der letzten Zeit hatte.
Violet hat mich von Anfang an abgeholt. Sie wirkt lebendig, manchmal impulsiv und ein wenig chaotisch, aber genau das macht sie für mich wirklich lebendig und auch greifbar. Ihre Emotionen fühlen sich echt an, besonders ihre Wut war für mich sehr nachvollziehbar. Auch die Beziehung zu ihrer Mutter hat sofort meine Neugier geweckt. Zwischen den beiden liegt eine spürbare Distanz, die Violet jedoch kaum mit Groll füllt, was ihre Figur nur noch interessanter macht. Man merkt schnell, dass hier vieles unausgesprochen ist und irgendwann an die Oberfläche kommen wird.
Reed war für mich auch sofort ein Highlight: Hello BookBoyfriend! Schon bei seinem ersten Auftreten hat er mich überzeugt. Nach außen wirkt er ruhig, grummelig und durch Gerüchte geprägt, doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine enorme Aufmerksamkeit und Sensibilität. Kleine Gesten und beiläufige Details zeigen, wie sehr er Violet wahrnimmt, das hat mich sehr berührt. Die Dynamik zwischen den beiden ist lebendig, unterhaltsam und von einer starken Chemie geprägt. Die Gefühle entwickeln sich stellenweise sehr schnell, fast ein wenig zu schnell, fühlen sich dabei aber trotzdem ehrlich und intensiv an.
Besonders viel Wärme bringt Reeds Familie in die Geschichte. Seine Brüder habe ich auch sofort ins Herz geschlossen. Der ruhige Grayson bildet einen schönen Kontrast zu Parker, der mit seinem Humor viele Szenen auflockert. Ihr Zusammenhalt ist spürbar und verleiht der Geschichte eine emotionale Tiefe, die mich zusätzlich berührt hat. So Familien-Dynamiken gefallen mir einfach richtig gut. Auch der Vater wirkt mit seinen Eigenheiten überraschend herzlich. Umso schwerer wiegt die Ablehnung, die ihnen in der Stadt entgegenschlägt. Sie fühlt sich größtenteils ungerecht an, auch wenn man ahnt, dass die Vergangenheit nicht ganz so einfach ist.
Ein weiteres starkes Element ist die Dual-POV. Sie erlaubt einen sehr intensiven Einblick in die Gedanken und Gefühle beider Figuren und sorgt dafür, dass man ständig mit ihnen mitfiebert. Gerade dieses ständige Aneinander vorbeireden, das Wissen um die Gefühle des jeweils anderen und das gleichzeitige Schweigen machen die Geschichte emotional, nervenaufreibend und erstaunlich echt.
Neben den Hauptfiguren haben mich auch viele Nebencharaktere überzeugt. Sie bringen Wärme, Humor und Tiefe in die Handlung und lassen die Geschichte lebendig wirken. Besonders schön fand ich die liebevollen Details wie die kleinen Symbole zu Beginn der Kapitel sowie die winterliche Atmosphäre, die perfekt zur Stimmung passt. Das Schulsetting fühlt sich für mich manchmal etwas fremd an, nimmt der Geschichte aber nichts von ihrer Wirkung.
Auch wenn ich stellenweise eine Ahnung hatte, wohin sich die Handlung entwickeln könnte, war das für mich völlig nebensächlich. Viel wichtiger war der Weg dorthin und der hat mich emotional vollkommen abgeholt und mitgenommen. Zugehörigkeit, Rivalität, Hoffnung und so viel potenzielles Glück liegen hier ganz nah beieinander, und genau das macht diese Geschichte so intensiv.
Insgesamt ist dieses Buch emotional, ehrlich und voller Wärme. Ich habe mich tief in der Gefühlswelt verloren und wollte sie am liebsten gar nicht mehr verlassen. Ich freue mich sehr auf die weiteren Teile und darauf, die Figuren weiter begleiten zu können. Normalerweise bin ich ein Fan von Reihen mit den gleichen Protas, aber hier kann ich die Welten der anderen Charaktere kaum erwarten.