Ein sympathischer, vielleicht etwas naiver Protagonist, der zwischen Kriegswirren die Hoffnung nicht verliert.
"Nichts hören, nichts sehen - sich raushalten."Mit dieser Devise lebt der Bienenzüchter Sergej im Donbass, zusammen mit seinem "Freundfeind" Paschka hält er die Stellung in dem ansonsten verlassenen Dorf. Die beiden trotzen dem Geschützfeuer, dem Leben ohne Strom und dem Hoffen auf Kohlelieferungen und Lebensmittel. Doch der Fokus in Sergejs Leben richtet sich nicht etwa auf seine Familie, die bereits vor einiger Zeit das Weite aus der Region suchte, sondern auf seine Bienenstöcke, die er pflegt und behütet. Eines Tages kommt er auf die Idee, seine Bienen in eine Region zu bringen, in der es friedlicher zugeht, damit sie in Ruhe Nektar sammeln können.Auf diesem Roadtrip dürfen wir Sergej begleiten und sämtliche Stationen miterleben. Kurkow zeichnet einen Spagat zwischen den Wirren des Krieges, den Überlebensstrategien der Zivilbevölkerung und den Bemühungen um die Bienen. Denn letztendlich geht es ums Überleben in einem Krieg, wo es nur Verlierer geben kann. Die politischen Hintergründe werden nicht explizit erwähnt, werden aber subtil eingeflochten - beispielsweise in den Träumen Sergejs oder in einem Gespräch mit einer Verkäuferin. Obwohl Sergej ein unpolitischer Mensch ist und sich um seine Bienen kümmern möchte, entkommt auch er dem Regime nicht und kann nicht immer mit seinen Geschichten überzeugen.Auch wenn die Geschichte dahin zu plätschern scheint, trifft den Leser immer wieder der Ernst der Situation und lässt diese nachhallen. Wie auch in anderen Büchern Kurkows wird dem Leser schnell klar, in welche Situationen sich der Protagonist hineinmanövriert, er selbst scheint es nicht zu merken und stolpert in so manches Problem.Kurkows Stil zu schreiben begeistert und fesselt, diese ruhige und gelassene Art überträgt sich auf seine Charaktere. Es scheint, dass hier niemals zu viel Adrenalin zum Einsatz kommt und doch folgt man mit Spannung der Geschichte.Ein Buch, das langsam gelesen werden will und Aufmerksamkeit verdient. 5 Sterne