"Finale an der Alster" von Anja Marschall ist als Taschenbuch beim Emons Verlag erschienen und bietet spannende Unterhaltung vom Feinsten auf 256 Seiten. Es handelt sich um den siebten Teil der historischen Hauke Sötje-Reihe, der allerdings problemlos eigenständig lesbar ist, da es sich um einen in sich abgeschlossenen Fall handelt.
Obwohl ich selbst auch noch keinen Band der Reihe gelesen hatte (ist leider komplett an mir vorbeigegangen...), habe ich dank der kurzen Zusammenfassung und der immer wieder einfließenden Rückblenden zum letzten Fall einfach und schnell ins Geschehen hineingefunden, und es hat mich direkt gefesselt und begeistert.
Die Reihe spielt in Hamburg zur Kaiserzeit, derzeit befinden wir uns im Jahr 1907. Kommissar Hauke Sötje muss sich in der Kanalisation seiner Heimatstadt verstecken, denn die Kollegen sind wegen eines (vermeintlichen?!) Mordes hinter ihm her. Allerdings ist es unmöglich für Sötje, in seinem Versteck auszuharren, denn eine seiner beiden Töchter befindet sich in den Händen von Entführern...Alles scheint mit seinem letzten Fall zusammenzuhängen, aber auch mit seiner lange vergangenen Zeit als Käpitän. Es wird auf alle Fälle ausgesprochen brenzlig und für Hauke Sötje ein sehr persönlichser Fall!
Anja Marschall bedient sich einer zur damaligen Zeit perfekt passenden Sprache und beschreibt Schauplätze und Ereignisse so detailreich und bildhaft, dass beim Lesen ein atmosphärisches, authetisches Bild vor meinem inneren Auge entstanden ist. Ihre Charaktere hat die Autorin facettenreich und nahbar angelegt, so dass sie ungemein glaubhaft herüberkommen und ich dementsprechend mit ihnen mitfiebern konnte.
Neben Kommissar Hauke Sötje und seiner Frau Sophie mochte ich den degradierten Polizeiwachtmeister Heinsohn sowie Sekretär Müller am liebsten, die alles dafür tun, ihren ehemaligen Vorgesetzten aus dessen persönlicher Bredouille zu befreien und seinen Ruf reinzuwaschen, denn die beiden glauben fest daran, dass Sötje keine Möglichkeit hatte, anders zu handeln, und stehen loyal und aufrecht hinter ihm, obwohl sie dabei einiges riskieren.
Besonders gefallen hat mir das Zusammenspiel der Figuren und die clevere Kombination ihrer Fähigkeiten, die so gebündelt nutzbar waren. Ausserdem hat Anja Marschall wunderbar deutlich gemacht, dass Rang und Namen längst nicht so viel bedeuten, wie die Zeiten es zu gebieten schienen und jegliche Standesdünkel es annehmen ließen.
Die Auszüge aus dem Hamburger Fremdenblatt, einer örtlichen Tageszeitung, aus dem Jahr 1907 fand ich richtig klasse und sie sind informativ, abwechslungsreich und bringen zusätzlichen Schwung in die Handlung, obwohl das so gesehen gar nicht nötig gewesen wäre ;)
Ein fesselnder, temporeicher, clever durchdachter historischer Krimi mit nahbaren Charakteren, der es mir wirklich angetan hat - unbedingt empfehlenswert!