Die ersten Maler der Künstlerkolonie Worpswede fanden Ende des 19. Jahrhunderts ihre Inspiration in der weiten Landschaft des Teufelsmoors, dem besonderen Licht und dem einfachen Leben der Bauern. Auch die Bauerntochter Johanna, Protagonistin des Romans, die in der Nähe aufwächst, möchte Malerin werden, doch ihr Vater hat kein Verständnis dafür. Als er sie zwingt, einen wohlhabenden Bauern zu heiraten, flieht sie nach Worpswede, trifft dort Gleichgesinnte und entwickelt ihr Talent weiter.
Nicht nur der Mut, sich den gesellschaftlichen Erwartungen zu widersetzen und ein Leben nach ihren Vorstellungen zu führen, unterscheidet sie von anderen. Sie hat auch eine besondere Beziehung zu Farben. Durch sie kann Johanna Gefühle und Stimmungen ausdrücken, mit jeder Farbe verbindet sie einen bestimmten Geschmack. Wie sie lernt, ihre Gabe künstlerisch zu nutzen, und die Farben zum Ausdruck eines nicht vorgeschriebenen Lebens werden, wird sehr schön erzählt.
Erfreulicherweise wird dieser Weg nicht idealisiert. Wie schnell man in eine emotionale Abhängigkeit gerät und wie schwierig echte Freiheit ist, erfährt die Malerin nicht nur am eigenen Leib. Selbst in der Künstlerkolonie beobachtet sie emotionale Verstrickungen, Männer, die die Kunst für sich beanspruchen, und Frauen, die ihnen den Rücken frei halten. Fiktion und wahre Begebenheiten bilden eine gute Balance in dieser Emanzipationsgeschichte, die vor allem Kunstinteressierte ansprechen wird.