Das Land Aldaketa scheint dem Untergang geweiht: es herrscht ewiger Winter und die Natur nimmt den Menschen jede Lebensgrundlage. Aus der Not heraus stellt die Königin eine scheinbar zufällige Gruppe von Abenteurern zusammen, die einen letzten Ausweg für die Bevölkerung finden sollen: Ein Portal in eine andere Welt. Doch nicht nur wird dieses von einem Drachen beschützt, auch machen sich auf der Reise Zweifel breit: Ist das Land wirklich nicht mehr zu retten? High Fantasy und Klimawandel fallen vermutlich eher selten im gleichen Satz. Doch genau diese beiden Themen hat die Autorin mit "Der Spiegel des Drachen" zusammengesetzt. Sie schickt eine zusammengewürfelte Gruppe Helden (oder eine Gurkentruppe) auf eine Quest, die letzte Hoffnung für eine Welt zu finden, die sich gegen jene wehrt, die sie bewohnen. Warum das so ist, erfährt man aber erst beim Lesen. Die Handlung beginnt direkt, ohne langen Prolog, um die Protagonisten vorzustellen. Stattdessen wirft die Autorin den Leser gleich ins Geschehen, was allerdings bei dieser Geschichte sehr gut funktioniert hat. Es wird abwechselnd aus den Perspektiven der vier Abenteurer berichtet, die verschiedener nicht sein könnten: Von einem Soldaten, einer Auftragsmörderin, einer Prostituierten bis zu einem Tierflüsterer ist alles dabei. Sie alle haben unterschiedlichste Gründe, ihre Welt zu retten und schenken dem Leser dabei einige wertvolle Denkansätze. April Wynter hat ganze Arbeit beim Ausarbeiten dieser Charaktere geleistet, trotz all ihrer Macken wachsen sie einem ans Herz. Vertrauen sollte man ihren Worten allerdings nicht immer, manchmal ist auch der Erzähler etwas unzuverlässig. Die Reise der vier ist turbulent und gefährlich, sie führt durch Berge und ewigen Schnee, der Handlungsbogen scheint jedoch stellenweise etwas verrutscht zu sein. Es gibt mehrere Enthüllungen, die die Geschichte auf den Kopf stellen, manche davon ahnt man, wenn auch nicht im Detail. Dennoch bleibt es die ganze Zeit spannend. In der ersten Hälfte des Buches wirkt die Handlung noch wie eine klassische Heldenreise, im zweiten Teil wird dann alles etwas chaotischer und das Ende bleibt recht knapp bemessen und eher bittersüß. Allerdings passte das auch ganz gut zu dieser verzweifelten Geschichte. Während die Autorin die Hintergründe der Klimakatastrophe sehr gut ausgearbeitet hat, fehlen dem Buch aufgrund seiner Kürze einige Details zum Worldbuilding, so ist manchmal die Rede von Göttern und Religionen, von anderen Orten oder auch von der Quelle der Magie selbst, doch diese Ideen bleiben eher Ansätze, als wäre das Buch nur ein kleiner Ausschnitt aus einer größeren Geschichte.Wer damit leben kann, der hält ein vielseitiges Fantasy-Abenteuer mit ungewöhnlichem Ansatz in den Händen und kann sich auf liebenswürdige Protagonisten und einen weisen Drachen freuen.