Der erste Fall für Nina Salomon und Daniel Buchholz hat mich gut unterhalten und wirft so manche moralische Frage auf.Im Darknet geht eine verstörende Website online: Menschen werden zur Abstimmung gestellt, Nutzer voten - und der "Gewinner" bezahlt mit dem Leben. Was wie ein krankes Spiel wirkt, wird plötzlich grausige Realität.Nina Salomon und Daniel Buchholz übernehmen die Ermittlungen. Doch der Täter agiert im Schatten, technisch brillant und nahezu unantastbar. Gleichzeitig wird der Kreis der ZuschauerInnen, die sich an dem grausamen Spektakel beteiligen immer größer - und jede neue Stimme macht das System tödlicher.Poznanski und Strobel setzen sich mit durchaus unbequemen Fragen auseinander: Voyeurismus, Sensationslust, aber auch digitale Verantwortung. Gewalt übt gerade aus der Distanz immer wieder eine seltsame Faszination aus - doch macht man sich mitschuldig am Tod eines Menschen, wenn man "nur klickt"? Juristisch wird sich diese Frage vermutlich nie stellen, moralisch dagegen umso mehr - insbesondere dann, wenn die Entscheidung, sich zu beteiligen, anonym und im Schutz der Masse getroffen wird.Anonym ist der erste Fall für das Ermittlerduo Salomon und Buchholz. In vielen Bewertungen habe ich gelesen, dass LeserInnen diese ProtagonistInnen unsympathisch fanden - das ist für mich nicht nachvollziehbar. Beide haben ihre Spleens, aber gerade das macht sie umso menschlicher. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus Ninas und Daniels Sicht. Das ist anfangs nervig, später steigert es jedoch die Spannung.Mir ist dieses Buch 4 Sterne wert, auch wenn man vergeblich nach wirklich überraschenden Twists sucht. Es lebt von seiner beklemmenden Grundidee - entsetzlich, aber nicht unrealistisch.Eine Schwäche bleibt dennoch: Einige Entwicklungen sind vorhersehbar, vor allem für erfahrene Thriller-LeserInnen. Mir war relativ schnell klar, welche Person als Täter infrage kommt.