Es geht wieder in die Wiener Werkstätte und ich habe mich auf ein Wiedersehen mit Lili Feigl gefreut. Die taffe junge Frau hat es nicht leicht im Leben. Ihr Vater ist krank und kann kaum noch zum Familieneinkommen beitragen und immer wieder wird sie gezwungen für ihn die Dokumentenfälschungen vorzunehmen, für welche sie ins Gefängnis kommen könnte. In der Wiener Werkstätte hat sie einen Job als Putzfrau bekommen, dabei ist sie so talentiert, dass sie etliche der dort arbeitenden Künstler locker in die Tasche stecken könnte. Als dann noch ihr ehemaliger Verlobter aus dem Gefängnis entlassen wird, wird es richtig brenzlig für Lili.
Ich habe wieder richtig mitgefiebert mit Lili und hoffe sehr, dass nicht eines Tages ausgerechnet der sympathische Oberkommissar Max von Krause hinter ihre kriminelle Vergangenheit kommt. Aber Max hat gerade ganz andere Probleme. In den Villenvierteln von Wien treiben Juwelendiebe ihr Unwesen und einer der Einbrüche endet sogar tödlich.
Ich mag es, wie die Autorin die Vergangenheit zum Leben erweckt und mich mitten nach Wien ins Jahr 1907 katapultiert. Das Leben damals wäre ein Grauen für mich gewesen, die gesellschaftlichen Zwänge, die Benachteiligung der Frauen in allen Bereichen. Ganz besonders regt mich die Doppelmoral auf. Dienstbotinnen, die unehelich schwanger sind, werden verachtet und landen auf der Straße, während der Hausherr, der hierfür oftmals verantwortlich ist, aber nicht zur Verantwortung gezogen wird.
Schmunzeln musste ich über die Versuche von Max Mutter, die den verarmten Adeligen möglichst gewinnbringend verkuppeln möchte.
Beate Maly erzählt ihre Geschichten so realistisch, dass man meinen könnte, sie wäre damals dabei gewesen. Ich rieche förmlich den Unrat, der in den Gassen der Armenviertel verrottet und Ratten anzieht und trotzdem scheinen die Reichen nicht unbedingt glücklicher.
Raub in der Wiener Werkstätte habe ich mal wieder verschlungen, weil ich unbedingt den Mordfall lösen und ein bisschen mehr Zeit mit Lily und Max verbringen wollte.
Wer Lust auf spannende Kriminalfälle im historischem Wien mit einem sympathischen Ermittler-Duo hat, dem empfehle ich Raub in der Wiener Werkstätte sowie die gesamte Reihe sehr gerne weiter.