Nicht nur ¿Lügengeschichten¿, sondern teils tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Leben an sich ¿ Lebenslügen inklusive
Es gibt das profane Lügen, um irgendwelche Vorteile zu ergattern oder um etwas zu verschleiern. Und es gibt die Lügen, die man in sein Lebensgebäude einwebt, um vor sich selbst bestehen zu können. Meist geschieht dies unbewusst, um eine kohärente Lebensgeschichte zu weben, bei der man gut abschneidet, jedenfalls nicht den Kürzeren zieht, um sich andernfalls schließlich depressiv geworden, vor der Welt verschließt. Doch auch diese Möglichkeit schimmert in diesen Geschichten immer wieder durch.Es sind insgesamt zehn kürzere oder auch längere Geschichten, wobei die seitenlängste, gut siebzig Seiten lange Geschichte, eher etwas für Cineasten ist, jedenfalls solchen die sich mit dem Film, der Filmgeschichte von "Krieg der Sterne" auskennen. Zumal hier mit einer (Parallel-)Geschichte per Zeitreise in die Vergangenheit Facetten hinzukommen, die sich nicht ohne Vorkenntnisse erschließen. Dies betrifft auch jene Geschichten, die sich an einen Roman des Autors anlehnen ("Vom Ende der Einsamkeit"). Oft gehen die Geschichten unter die Haut, nehmen einen gefangen, weil man sich selbst in seiner eigenen Lebensgeschichte wiederfindet, um dann am Schluss einer solchen Geschichte ("Die Wanderung") feststellen zu müssen: Es geht noch ärger. Das Thema Reue spielt in diesen Geschichten oft eine entscheidende Rolle. Entweder ist es zu spät für eine solche, falls entscheidende Fragen nie gestellt, bzw. falls sie gestellt wurden, nicht beantwortet wurden oder sie kommt gerade noch rechtzeitig, um notwendige Korrekturen vornehmen zu können. Oder es geht darum, nicht zu genügen, und es einen entscheidenden Moment braucht, um zumindest auf die andere Seite zu kommen ("Die Entstehung von Angst"). Wie auch Entscheidungen ein ganzes Leben umkrempeln können, aus der Routine ausbrechen lassen, ohne die ein Leben allerdings auch kaum möglich ist, nun allerdings mit der Möglichkeit unter neuem Blickwinkel die Feinjustierungen vornehmen zu können. Mit einer Sprache als Möglichkeitsraum für Verzauberung, für das Sähen von Zwietracht oder als Einladung an das eigene Denken. Oder mit den Worten des Autors aus der Geschichte "Das Grundschulheim. Persönliche Erinnerungen": "Es interessierte keinen, woher man kam oder wer man war, nur was man tat und was man konnte." Oder: "Ein Kind sieht nicht den bröckelnden Putz an den Wänden, sondern den Automaten daneben, an dem man für siebzig Pfennig Kakaotüten ziehen kann."(8.6.2025)