Durch Zufall wurde ich auf den Auftakt der Krimireihe "Kalt wie die Nacht" von Bernhard Stäber, erschienen bei Lübbe, aufmerksam. Ein norwegischer Krimi fällt natürlich zu hundert Prozent in mein Beuteschema, und ich begann zu lesen.
Der Autor schaffte es, mich durch einen spannenden Einstieg in die Storyline rund um den Ex-Kommissar Wolf Larsen und die Journalistin Sanna zu fesseln. Dabei zeichnete er interessante und vielschichtige Charaktere, über die ich sofort mehr erfahren musste. Besonders hervorzuheben ist hier Sanna, die der Autor wunderbar ausgearbeitet hatte und eine ganz ungewöhnliche Backstory verlieh. Sie war fast das Zugpferd dieses Teams, auch wenn ihr Anteil an der Story für meinen Geschmack noch größer hätte sein können.
Nach einem wirklich starken Anfang kam leider erst einmal wenig Dynamik in den Kriminalfall. Ich kann verstehen, warum sich der Autor so viele Seiten der Vorgeschichte von Wolf widmete, jedoch führte es für mich zu großen Längen, in denen die Storyline stagnierte. Dennoch schaffte es der Autor in diesen Passagen gut, die Hoffnungslosigkeit und Trauer von Wolf zu transportieren und mich fühlen zu lassen.
Der Fall an sich war klug konstruiert, wenn auch etwas weit hergeholt. Der Spannungsbogen zog sich stringent durch die Geschichte, auch wenn er für mich gerne ein paar Wendungen mehr hätte aufweisen können. Trotzdem wollte ich weiterlesen, was vor allem an Sanna und ihrer dissoziativen Identitätsstörung lag. Diese setzte der Autor sehr gekonnt ein, um die Spannung zu steigern.
Im Großen und Ganzen ist "Kalt wie die Nacht" ein solider Reihenauftakt, der einige Längen aufweist. Durch Sanna wurde ich jedoch neugierig auf mehr. Für mich waren es am Ende 3,5 von 5 Sternen für diesen Krimi.