Cassandra Clare vollendet ihre Trilogie mit erschreckenden politischen Bildern und einer atmosphärisch starken Alternativwelt.
Mit "Queen of Air and Darkness" setzt sich Cassandra Clare für mich ein Denkmal. Die Themen, die sie in den beiden vorherigen Bänden angelegt hat, fasst sie inzwischen mit beeindruckendem Selbstbewusstsein an. Fremdenfeindlichkeit, Verfolgungswahn, politische Radikalisierung und der Wunsch nach einer vermeintlich reinen Gesellschaft werden nicht mehr nur angedeutet, sondern bestimmen weite Teile dieses Romans.Viele der geschilderten Bilder erinnern unübersehbar an Deutschlands dunkelste Jahre. Sie zeigen zugleich, wie tief die Erinnerung an Faschismus und Verfolgung auch in der US-amerikanischen Populärkultur verwurzelt ist. Umso erschreckender ist es, dass heute selbst in Deutschland zu viele Menschen versuchen, die zwölf Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft aus dem kollektiven Gedächtnis zu drängen - als ließen sich ihre Vorgeschichte und ihre Folgen sauber auf die Jahre 1933 bis 1945 begrenzen.Über all das legt Cassandra Clare die zarte Decke einer jugendlichen Liebe. Doch gerade darin liegt für mich eine der Stärken des Romans: Liebe muss auch dort bestehen können, wo Hass, Fremdenfeindlichkeit und Verfolgungswahn regieren. Sie ist kein Gegenargument zur politischen Dimension der Geschichte, sondern ein Teil davon.Emma und Julian setzen alles aufs Spiel, um mal wieder die Welt zu retten. Dabei frage ich mich, weshalb in Jugendfantasy eigentlich immer die Jugendlichen diese Aufgabe übernehmen müssen - und was die erwachsenen Schattenjäger währenddessen taugen. Aber gut: Es ist ein Jugendbuch. Da müssen die Helden offenbar Teenager und Twens sein. Lächeln wir milde und trinken Tee.Alternative Realitäten gab es bei Cassandra Clare schon früher. In diesem Band vertieft sie dieses Motiv jedoch noch einmal auf beeindruckende Weise. Ihre Schilderungen erschaffen eine beklemmende Atmosphäre, die Gänsehaut erzeugt. Diese Welt wirkt nicht wie eine beliebige düstere Spielart des Bekannten, sondern wie die erschreckend folgerichtige Antwort auf die Frage, was geschehen kann, wenn Hass und Ausgrenzung zur politischen Ordnung werden.Mehr möchte ich über die Handlung und das Schicksal der Figuren nicht verraten. Nach einem rund dreißigstündigen Ritt durch dieses Buch hatte ich wenig geschlafen und Unmengen schwarzen Tees konsumiert. Dafür habe ich dieses Epos völlig außer Atem beendet.Für mich ist "Queen of Air and Darkness" nicht nur der Abschluss einer Liebesgeschichte. Der Roman vollendet eine Trilogie über Trauma, Verantwortung, Ausgrenzung und politische Radikalisierung - verborgen in einer Fantasywelt, die unserer eigenen stellenweise unangenehm nahekommt.