Als die Waisin Jane Eyre nach ihrem Schulabschluss eine Stelle als Gouvernante auf Thornfield Hall annimmt, lernt sie den mürrischen Hausherren Mr. Rochester kennen. Obwohl oder weil die zwei ständig Streitgespräche führen, bekommt sie bald einen Antrag von ihm. Doch auf dem Weg liegen mehr Steine als gedacht...Ja, Jane Eyre gilt als Liebesgeschichte. Nein, ich weigere mich, es darauf herunterzubrechen. Ich bin es leid, Diskussionen darüber zu lesen, ob nun Mr. Rochester eine red oder green flag ist oder das jetzt eine "age gap" "enemies to lovers" Romanze ist. Unsere modernen Konzepte über alte Klassiker zu legen, ist den Texten gegenüber ungerecht und führt am Ende zu einer Vereinfachung, die Kernelemente der Ursprungsgeschichte verliert (wie der neue Sturmhöhe-Film eindrucksvoll unter Beweis stellt). Mein Plädoyer am heutigen 210ten Geburtstag Charlotte Brontes lautet daher: Lest es nicht als Liebesgeschichte. Lest es als historisches Zeugnis, als Abbild einer früheren literarischen Tradition, einem Abbild anderer Zeiten. Und führt Diskussionen in diesem Kontext - die können dann trotzdem noch immer kritisch sein...