Constable David Maratse, Ermittler der grönländischen Polizei hat bei seinem letzten Einsatz schreckliches erlebt und ist von den Folgen noch deutlich gezeichnet, seelisch wie körperlich. Um endlich zur Ruhe zu kommen zieht er sich in eine abgelegene Siedlung zurück, doch auch hier bleibt er nicht lange vor Gewalt und Tod geschützt, den als die übel zugerichtete Leiche der siebzehnjährigen Tinka aus dem Meer gezogen wird beginnt er wieder zu ermitteln und das auf direkten Wunsch ihrer Mutter, der amtierenden Ministerpräsidentin.Ich liebe eigenwillige, schwierige Charaktere, gerade in Krimis und so war ich von Maratses Beschreibung direkt angesprochen. Auch meine Liebe zu nordischen Krimis und Thrillern mit ihrer einzigartigen Athmosphäre war der Grund dafür, warum ich mich für dieses Buch entschieden habe. Die Atmosphäre ist dann auch besonders, man bekommt als Leser einen schönen, aber leider auch etwas desillusionierend Blick auf die wundervolle eisige Landschaft, denn der Autor lässt keinen Zweifel daran, wie hart das Leben für die Menschen im Winter hier sein kann. Desillusionierend ist aber auch der Blick auf die politische Atmosphäre im Land, die für den Kriminalfall eine große Rolle spielt, den hier gibt es große Spannungen im Bezug auf die Zugehörigkeit Grönlands zu Dänemark. Leider kommt einem hier Einiges durchaus bekannt vor, den die populistischen Phrasen zur nationalen Identität bekommt man auch andernorts zu hören. Politik und Krimi sind nun leider zwei Thematiken, die bei mir nur bedingt zusammen funktionieren, es kann passen, wird mir aber auch schnell zu viel und das war hier leider der Fall. Diese ganzen Intriegen und Machtspiele nur um sein politisches Image aufzubessern und bei der anstehenden Wahl besser dazustehen und dafür sogar sprichwörtlich über Leichen zu gehen, das ganze Saubermann Getue für die Öffentlichkeit, um dann im Privaten förmlich im Schlamm zu baden und das in Verbindung mit einem Kriminalfall und der kauzig, abweisenden Art der Ermittlerfigur konnte mich nicht wirklich fesseln. Mir mangelt es an der Tiefe der Figuren im Hinblick auf ihre Motive und leider auch an Spannung. Klar kann ich von einem körperlich beeinträchtigten Ermittler keine spritzige Verfolgungsjagd erwarten, aber Spannung kann man auch auf andere, subtilere Art erzeugen. Maratse ist eigentlich eine Figur ganz nach meinem Geschmack, ich bin mir aber nicht sicher, ob ich seinen Werdegang weiterverfolgen werde.