Ein sensibles Thema eingebettet in eine opulente Wissens- und Erfahrungsfülle und alles fast schwerelos verpackt ...
Die Momente, in denen ein Roman nicht nur kurz aufleuchtet, sondern strahlt sind selten geworden. Hier ist ein solches Buch.Ein sensibles Thema eingebettet in eine opulente Wissens- und Erfahrungsfülle und alles fast schwerelos verpackt, so dass es nicht schwerfällt, sich den Handelnden in ihrer Zeit gedanklich zu nähern und sich ihnen emotional anzuvertrauen. So taucht man denn ein in eine Welt voller Tabus und Vorurteile auf der einen Seite, um sodann, in der offenen Landschaft von Apulien (Südostitalien) eine aufblühende Liebe zu erspüren sowie den Spuren aus längst vergangenen Tagen zu folgen. Es fällt schwer, diesen Roman irgendeiner Kategorie zuzuordnen, da er Vieles vereinigt und dicht gedrängte Möglichkeitsräume schafft, ohne ihn damit zu überfrachten oder die Akteure aus den Augen zu verlieren. Im weiteren Sinn ist es sicher ein Bildungsroman, es ist aber auch:ein Liebes-/Gesellschaftsroman mit besonderer und besonders schwieriger Konstellation ein Historienroman - mit Friedrich II. und I. Weltkrieg: zweifelsohneein Kriminalroman, der dem Beziehungsgeschehen die nötige Spannung verleiht; mit einem Kommissar, der zunächst als "Hintergrunderheller" eine wichtige Rolle übernimmt, später jedoch zur tragischen Figur wirdein Reiseroman mit insgesamt drei Expeditionen eine Milieustudie mit den Schwerpunkten Berlin, Rom und Süditalieneine populärwissenschaftliche Abhandlung aus den Bereichen Geologie (mit äußerst lesenswerten Informationen über Sand und den Möglichkeiten der räumlichen und zeitlichen Zuordnung; immerhin wird ein Sandkorn zum entscheidenden Element im "Kampf" zwischen Vertrauen und Misstrauen ...), Landeskunde, Fotografie und Kulturgeschichteim weiteren Sinne auch eine Tragödie, sowohl einer persönlichen (des Protagonisten) wie auch einer gesellschaftlichen (durch den I. Weltkrieg)Man muss das Buch lesen, um den ganzen Zauber, die ganze Vielfalt aufnehmen und genießen zu können - eine Rezension oder kurze Nacherzählung kann immer nur hungrig machen. (4.11.2016)