Man könnte die ersten 50 Seiten und die letzten 50 Seiten lesen und wäre dann genauso gut vorbereitet auf den nächsten Band
Crimson Prinz ist ein Buch, das für mich mit hohen Erwartungen verbunden war, da ich den ersten Band als sehr gelungen empfunden habe. Umso ernüchternder war leider die Leseerfahrung dieser Fortsetzung. Der Einstieg gelang mir zunächst gut, die ersten Seiten knüpften stimmig an die vorherige Geschichte an und ließen hoffen, dass die emotionale und inhaltliche Spannung weitergeführt wird. Doch bereits nach relativ kurzer Zeit änderte sich der Erzählfluss spürbar.Ein großer Teil des Romans widmet sich plötzlich fast ausschließlich Armand und seiner Vergangenheit. Grundsätzlich ist es interessant, mehr über seine Herkunft und seine Entwicklung zu erfahren, doch die Ausführung wirkt unausgewogen. Nachdem dieser Rückblick beendet ist, wird die Handlung erneut aufgerollt, indem zentrale Ereignisse aus dem ersten Band noch einmal aus seiner Perspektive erzählt werden. Diese Wiederholungen empfand ich nicht nur als unnötig, sondern stellenweise als extrem zäh. Vieles war bereits bekannt, emotional bereits verarbeitet und bot kaum neue Erkenntnisse, sodass sich das Lesen zeitweise sehr langatmig anfühlte.Gerade hier verlor das Buch für mich deutlich an Spannung. Die emotionale Entwicklung zwischen den Figuren war vorhersehbar, ebenso wie ihre Annäherung gegen Ende. Statt diese Dynamik weiterzuentwickeln oder zu vertiefen, verharrt die Geschichte lange in inneren Monologen und wiederkehrenden Gedankengängen. Ich hatte mehrfach das Gefühl, Passagen nur noch zu überfliegen, weil sie inhaltlich kaum vorankamen.Erst als Rose wieder stärker in den Fokus rückte, gewann die Geschichte spürbar an Fahrt. Mit ihrer Rückkehr kehrte auch die Gegenwartshandlung zurück, ebenso wie der Perspektivwechsel, der dem Roman deutlich guttat. Diese Abschnitte brachten neue Informationen, neue emotionale Spannungen und endlich wieder das Gefühl, dass sich die Geschichte weiterentwickelt. Auch die allmähliche Veränderung der Gefühle der Protagonistin sowie ihre Erkenntnis über die Wahrheit hinter den getroffenen Entscheidungen wirkten nachvollziehbar und waren erwartbar, aber immerhin konsequent erzählt.Das Ende schließlich überrascht mit einem Cliffhanger, der unerwartet kommt und kurzzeitig Spannung erzeugt. Allerdings konnte dieser Wendepunkt für mich die vorherigen Längen nicht aufwiegen. Rückblickend bleibt dieser Cliffhanger der einzige Moment, der wirklich nachhaltig Eindruck hinterlassen hat.Insgesamt empfand ich Crimson Prinz als enttäuschend, vor allem im Vergleich zum starken ersten Band. Obwohl ich die multiplen Perspektiven grundsätzlich schätze und das Potenzial der Figuren nach wie vor sehe, wirkte der Roman in seiner Umsetzung eintönig und unnötig gestreckt. Die Geschichte hätte von einer klareren Fokussierung und weniger Wiederholungen stark profitiert. Für Fans der Reihe mag der Band dennoch interessant sein, insbesondere wegen des Endes, für mich persönlich blieb er jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück.