Sehr schön unterhaltsam ;-) Und spannend! Ein herrlicher Küstenkrimi!
"Marconi und die schweigenden Lämmer" ist bereits der dritte Band dieser Reihe um den ermittelnden Italo-Bayer aus München, der nun im nordischen St. Peter Ording ermittelt. Band 2 habe ich nicht gelesen - Band 1 schon -, es ist aber kein Problem mittendrin einzusteigen; für das Gesamtverständnis und auch das Kennenlernen der Akteure ist es aber von Vorteil, die Reihe von vorne zu beginnen!Nun denn, Daniele Palu gelingt es recht gut, seinen Protagonisten Massimo Marconi, der mit feurigwarmen Vibes ausgestattet ist, sich im kühlen Norden erstaunlich schnell fast heimisch fühlen zu lassen. Die ruhige Art der Norddeutschen und ihre Wortkargheit ist ihm zwar oft zuwider, er kann aber nicht umhin zuzugeben, dass er bereits Gefallen an der Weite, der See gefunden hat.Allerdings fällt es ihm noch schwer, sich ermittlungstechinisch zurückzuhalten, denn hier auf dem "Dorf" ist er nur ein einfacher Polizeibeamter und nicht mehr der Kriminalkommissar, der er in Süddeutschland war. Um die Frage zu klären, warum er denn dann nun im norden Deutschlands ist: Marconis Bruder ist vor kurzem verstorben und hinterlässt zwei Kinder, um die sich Marconi nun kümmern soll/muss. Da er ihnen nicht zumuten kann ihre Heimat zu verlassen, hat er seine zurückgelassen und einen nicht ganz so ansprechenden Polizeijob angenommen. So viel zu seiner Vita ;-)Also, es gibt ein Mordopfer in einer Schafskäsemanufaktur, etliche anhängliche Schafe, einsilbige Verdächtige, einen seltsamen Flüchtigen, ein paar merkwürdige Helfer á la Laurel und Hardy in Form von Bäderdienstlern, grüne Lichter, eine betrunkene Sozialarbeierin vom Jugendamt, nervige Klimaaktivisten... Ich finde, dass ist Stoff für mehrere Krimis ;-)Massimo Marconi meistert sie aber alle - mehr oder weniger - und hat mit seinen Mitarbeitern Jens und Eva zwei fähige Polizisten an seiner Seite. Wobei Jens eher der Regelbefolger ist und Eva eher die, die kein Risiko scheut, wie ihr Chef ;-) Man merkt immer mehr, dass die beiden, neben seinem Neffen Stefano und seiner Nichte Klara, seine neue Familie sind :-) Deswegen ist ihm auch sehr daran gelegen, dass mit der Adoption alles glattgeht, aber ich sage nur "betrunkene Sozialarbeiterin"...Dennoch haben wir keinen Roman, der hektisch und permanent Action verspricht; nein, er ist wie die norddeutschen selbst gemächlich und schwer zu knacken ;-) Aber mit einigen humorvollen Akzenten :-)Das liegt natürlich an Daniele Palus lockeren Schreibstil, aber auch an seinem perfekt unperfekten Protagonisten :-) Wer auf blutige Serienmorde mit genervtem Oberkommissar steht, ist hier falsch. Wer aber Lust auf einen Krimi mit Herz, Lokakolorit, Humor und einem Ermittler hat, der nicht geschniegelt durchs Leben marschiert, bekommt lesetechnisch einiges geboten :-)Kaum zu glauben, dass das Buch nur etwas mehr als 350 Seiten hat, inklusive 2 leckeren Rezepten zum Nachkochen :-) Ich muss auf jeden Fall noch Band 2 lesen und freue mich jetzt schon auf Band 4 :-)