Geschickte Verflechtung zwischen zwei Tatortregionen
Man benötigt ein wenig Geduld, um sich mit der Geschichte anzufreunden. Es beginnt eher gemächlich in einem Luxuszug, dem angeblich luxuriösesten Zug der Welt, mit - einem Mord. Oder zumindest dem dringenden Tatverdacht, dass es sich um einen Mord handeln könnte. Der Zug verkehrt von Kapstadt nach Pretoria, und ist eigentlich Garant für komfortables Reise, in der nur der Hauch von Abenteuer eine Chance haben sollte. Die Sache ist äußerst mysteriös und so ist es kein Zufall, dass man die besten der Besten mit der Lösung dieses Falls beauftragt: Kaptein Bennie Griessel und sein Kollege Kaptein Vaughn Cupido. Zur gleichen Zeit kämpft ein Schwarzafrikaner in Frankreich (Bordeaux) mit seinen eigenen Dämonen, die er im Lauf seines Lebens in zahlreichen Einsätzen für sein Land aufgebaut hat. Doch die Vergangenheit gibt nicht auf - auch wenn er Namen und Biografie einen anderen mit sich herumträgt.Während die Ermittlungen in Südafrika eher im klein-klein verharren und beim Leser eher ein Gähnen verursachen, sorgen die Vorgänge in Nordfrankreich dafür, dass die Geschichte nicht in den Schlafwagenmodus einmündet. Die geschickte Verknüpfung der beiden handlungsbestimmenden Regionen wird sich auch im Aufbau deutlich: Zunächst das lose Zusammenspiel von zwei zunächst unterschiedlichen Handlungsabläufen, die im Mittelteil eine je eigene Entwicklungsgeschichte erfahren, bevor sie dann zum Schluss dramatisch zusammengeführt werden. Oder anders ausgedrückt: Man schläfert den Leser zunächst ein wenig ein, um ihn dann umso dramatischer mit den unterschiedlichsten Wendungen der beiden auseinanderzulaufenden Geschichte in das Geschehen zurückzuholen. Das gehört schon in die Rubrik: gekonnte Dynamik in Wort und Tat. Es geht um Korruption, Eigennutz und Machtmissbrauch bis in höchste Staatsämter hinein, die in einer politisch angespannten Weltlage ihre dunklen Arme ausstrecken. Selbst die Weltlage mit Russland und Putin bekommen hier bereits (Erstveröffentlichung 2018) eine realistische Anmerkung verpasst: "'Überleg doch mal, es ist ein Ringen der Großmächte. China ist im Aufstieg begriffen, Amerika im Abstieg. Und in der Mitte befindet sich ein Vakuum, das darauf wartet, gefüllt zu werden. Eine neue Weltordnung kündigt sich an. Und Putin ... Man kann über ihn sagen, was man will, aber er ist schlau. Gerissen. Hat einen langen Atem, positioniert sich und sein Land. [...] Putin ist entschlossen, sein neues Russland wieder zur Supermacht aufsteigen zu lassen.'"Der "Struggle" (Befreiungskampf in Südafrika) allerdings soll nicht umsonst gewesen sein. Und so bilden hier die beiden Ermittler einen wohltuenden Kontrast zu den aktuellen Vorgängen im eigenen Land - auch wenn er nur fiktiv. Eine gute Geschichte vermag zumindest das Gerechtigkeitsgefühl ein wenig zu befriedigen.