Keine einfache Weihnachtserzählung, aber eine mit viel Inhalt zwischen den Zeilen
Anfangs ist es mir etwas schwer gefallen, in die Geschichte reinzukommen, da Hoffmann es einem auf den ersten Blick nicht leicht macht zu verstehen, was Realität und was Fiktion (bzw. Traum/ Vorstellung) ist, nach ungefähr dem ersten Drittel wurde das Buch aber immer besser.Hoffmann ist für mich jemand, in dessen Geschichten man sich erst etwas einfinden muss, dann aber sehr viel mitnehmen kann. Diese Einfindungsphase hängt sicherlich auch damit zusammen, dass die Werke schon etwas älter sind und sich die Sprache in ihren Nuancen doch von der heutigen unterscheidet. Und so tut es auch der Umgang untereinander - die Eltern wirken recht kühl, vor allem, als Marie erzählt, was sie gesehen hat und alles wird (wie damals üblich) auf eine Verletzung und Träume geschoben, anstatt ernstgenommen.Um nochmal konkret zu dem Buch zurückzukommen: Marie ist sich sicher, dass der Nussknacker lebendig ist, bekommt von ihren Eltern aber das Gegenteil eingeredet, sodass weder sie noch der Leser bis zum Ende wissen, was nun Wirklichkeit ist und was lediglich ihrer Vorstellung entsprungen ist. Und genau da wird das Buch für mich interessant, weil jeder etwas unterschiedliches mitnimmt, je nachdem, wie er die Geschichte für sich deutet.Allerdings muss man sich dafür auf das Buch, seine Sprache und die unkonventionelle Handlung einlassen - dann hat man aber Freude dran. Dadurch war es für mich aber eine willkommene Abwechslung zwischen den anderen (liebevollen) Weihnachtsgeschichten.