Nach dem schmerzhaft treffsicheren Vorgänger Salonfähig richtet Hirschl sein suchscheinwerfergleiches Augenmerk in Content auf eine weitere Malaise der letzten Jahre: die große Überreiztheit. In permanent überstimulierter Betäubung erleben die Figuren einen Alltag, der absurder nicht sein könnte, unserer Realität aber oft gefährlich nahekommt. So arbeiten die Figuren des Romans in Ignoranz, ja Akzeptanz der Apokalypse weiter an der Erhaltung gänzlich sinnfreier Feedbackschleifen, teils, weil sie wollen, teils, weil sie müssen. Turbokapitalismus erodiert jede Moral und Logik, die Frage nach dem richtigen Leben im falschen ist ebenso allgegenwärtig wie hinfällig. Dabei ist das Buch aber so witzig, bissig und wunderbar überzeichnet, dass die Lektüre zur kathartischen Erfahrung für alle smartphonemüden Menschen wird. Sie sind nicht allein, jemand versteht Sie. Und dieser jemand schreibt unglaublich gut.