Meldungen aus der skurrilen Welt der Tiere münden in Erzählungen über menschliches Mit- oder auch Gegeneinander ...
Meldungen aus der skurrilen Welt der Tiere münden in Erzählungen über menschliches Mit- oder auch Gegeneinander, bleiben allerdings seltsam unverbunden. Ein Griff in die Trickkiste, so möchte man daher schlussfolgern, das Geschriebene in einem etwas helleren Licht erscheinen zu lassen, quasi als Suchscheinwerfer des Lesers, der sich fragen mag: Und nun? Gibt es ein Rätsel, das es zu durchdringen gilt, und falls ja, ist dies nur dem aufmerksamen, dem pfiffigen Leser zugeneigt?Wie auch immer: Die Erzählungen sind, wenn auch zum Teil "über-fiktional", wie in dem Stück (es gibt insgesamt acht Erzählungen aus verschiedenen Jahren) "Schafe", in denen die Bewohner einer in der Zukunft angesiedelten Großraumkommune, um Abgrenzung und innere Stabilität ringen, allesamt lesenswert. Es geht meist um das Ringen in zwischenmenschlich angespannten Konstellationen, die bei dem einen oder anderen Leser sicher das eine oder andere Aha-Erlebnis eigenen Erlebens vor Augen führen wird. Ob es nun um Patchworkfamilien und deren Katastrophenpotential geht, oder um das langsame, kaum merkliche Abschiednehmen in Beziehungen: "Ben und sie hatten das Küssen vernachlässigt, beinahe aufgegeben zugunsten direkterer Freuden, die sie, wie Jenna nun im Vergleich meinte, seit Jahren zwar zur Zufriedenheit auf beiden Seiten, aber doch routiniert und fast variantenfrei ausübten. Mit dem Maler gab es nichts Routiniertes." Es gibt Passagen, bei denen man sich fragt, ob man das wirklich lesen will: "Er hatte keine Schuldgefühle, er hatte keine Beziehungen, er vö*te, wie andere Sport betreiben, nicht regelmäßig, aber entschlossen." Gefolgt von solchen sprachlich wie inhaltlichen Highlights wie dem folgenden: "Jakob, der an nichts glaubte, hätte einzig das Vogelorchester als Gottesbeweis akzeptiert. Woher sie nur den gemeinsamen Zeitpunkt kannten für ihren ausgelassenen Jubel, eine Feier des Lebens, wie die Gottgläubigen vermutlich sagen würden. Und das würde immer so weitergehen, jeden Morgen dieser mächtige Gesang, auch noch in hunderttausend Jahren, wenn es nicht einmal mehr von ihren Zahnprothesen die leiseste Spur gäbe. Unterm Strich überwiegen bei weitem die Passagen, die den Kopf, respektive das Gehirn, zum Leuchten bringen. (22.12.2023)